Lotte: Die Holding kostet ein Drittel ihres Buchwerts — und zahlt Dividende aus einem Verlustjahr
Die Lotte Corporation (KOSPI: 004990) ist die Schaltzentrale des fünftgrößten südkoreanischen Mischkonzerns: 15.539,6 Milliarden Won Konzernumsatz im Jahr 2025, rund 9,6 Milliarden Euro. Die Börse bewertet die umlaufenden Aktien am 21. August 2026 mit 1.751,8 Milliarden Won — gut ein Viertel des Eigenkapitals, das den Holding-Aktionären laut Bilanz zusteht, und knapp ein Drittel, sobald man das Hybridkapital herausrechnet. Der Abschluss liefert die Erklärung gleich mit: Seit 2024 kostet das Fremdkapital mehr, als das operative Geschäft verdient, und die Wende im ersten Halbjahr 2026 kam aus einer Beteiligung, die der Holding nur zu gut einem Viertel gehört. Trotzdem flossen für das Verlustjahr 2025 96,0 Milliarden Won Dividende. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — nur die Frage, was ein Buchwert wert ist, wenn die Zinsrechnung ihn jedes Jahr ein Stück kleiner macht.
Stand heute
Stand: 25. August 2026
- Schlusskurs
- 22.900,00 ₩ -0,90 %
- Marktkapitalisierung
- 1.758,2 Mrd. ₩
- Wachstums-Score
- 4/10
- AAQS
- 2/10
Kursentwicklung seit 21. August 2026: +0,4 %
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Tagesschlusskurse seit 29. Okt 2025.
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Zahl, die im Kopf sofort ein Urteil auslöst, bevor irgendjemand nachgerechnet hat: das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Steht dort etwas unter 1, denkt der Kopf „Schnäppchen“. Nennen wir das den Buchwert-Reflex. Er funktioniert deshalb so zuverlässig, weil er sich anfühlt wie Mathematik: In der Bilanz steht ein Wert, an der Börse steht ein kleinerer — die Differenz muss doch irgendwann jemand einsammeln.
Bei der LOTTE Corporation (KOSPI: 004990), der Holdinggesellschaft der fünftgrößten südkoreanischen Unternehmensgruppe, ist die Differenz ungewöhnlich groß. Das Eigenkapital, das den Aktionären der Holding zusteht, betrug zum 30. Juni 2026 6.395.557 Millionen Won — rund 3,95 Milliarden Euro. Die Börse bewertete alle umlaufenden Stamm- und Vorzugsaktien am 21. August 2026 mit rund 1.751,8 Milliarden Won, also etwa 1,08 Milliarden Euro. Das ist gut ein Viertel. Zieht man vom Eigenkapital das Hybridkapital ab, das rechtlich Eigenkapital ist, den Aktionären aber nicht gehört, bleiben knapp 30 Prozent.
Der Deal für diesen Text: keine Empfehlung, kein Kursziel. Wir lesen den Halbjahresbericht vom 14. August 2026, den geprüften Jahresbericht vom 16. März 2026 und die englischen Investorenunterlagen des Unternehmens — und schauen, ob die Lücke ein Versäumnis des Marktes ist oder eine Rechnung, die schon jemand aufgemacht hat. Das zentrale Spannungsfeld, das sich durch jedes Kapitel zieht, lautet: Was in der Bilanz steht — und was davon nach den Zinsen übrig bleibt.
Was Lotte eigentlich ist — eine Holding mit 325 Beschäftigten und 80 Töchtern
Stell dir einen Konzern wie einen Baum vor. Ganz oben sitzt eine Gesellschaft, die selbst nichts herstellt und nichts verkauft: Sie hält Anteile, kassiert Markenlizenzen, Managementgebühren, Mieten und Dividenden — und entscheidet, wohin das Geld fließt. Genau das ist die Lotte Corporation. Ihre eigene IR-Präsentation vom 27. Mai 2026 nennt als Hauptgeschäft schlicht „Pure Holding Company“ und beziffert die Belegschaft mit 325 Menschen. Darunter hängen 80 Gesellschaften — 19 Töchter, 43 Enkel, 6 Urenkel und 12 Familienunternehmen —, von denen neun an der Börse notiert sind.
Die Gruppe darunter ist ein Querschnitt der koreanischen Konsumwirtschaft: Süßwaren und Getränke (Lotte Wellfood, Lotte Chilsung), Kaufhäuser, Supermärkte und Convenience-Stores (Lotte Shopping, Korea Seven), Petrochemie (Lotte Chemical), Hotels und der Vergnügungspark Lotte World, dazu Bau, Logistik, IT-Systeme und seit einigen Jahren Auftragsfertigung für Arzneimittel (Lotte Biologics). Die Ursprungsgesellschaft wurde am 24. März 1967 gegründet und hieß bis zum Holding-Umbau am 1. Oktober 2017 Lotte Confectionery — eine Süßwarenfabrik, aus der die Konzernzentrale wurde.
Der Segmentanhang des Halbjahresberichts zeigt, wo das Geld tatsächlich verdient wird. Im ersten Halbjahr 2026 kamen von 7.715,2 Milliarden Won Konzernumsatz 4.882,5 Milliarden aus dem Lebensmittelgeschäft und 2.293,6 Milliarden aus dem Handel. Beim Betriebsergebnis ist die Verteilung noch schiefer: Lebensmittel brachten 231,8 Milliarden Won, IT-Systeme 22,1 Milliarden, „Sonstige“ 139,6 Milliarden — der Handel machte 15,6 Milliarden Won Verlust, die Arzneimittelherstellung 121,3 Milliarden. Und 80,2 Prozent des Umsatzes stammen aus Korea selbst.
Wichtig für alles Folgende: Von Lotte gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Die Gesellschaft ist kein US-Meldeunternehmen; ihre Pflichtberichte liegen im koreanischen Offenlegungssystem DART der Finanzaufsicht FSS, bilanziert wird nach K-IFRS, das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, DART/Korea Exchange)“ statt „SEC-Berichte“.
Die Firmengeschichte für Anleger
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2017
Aus der Süßwarenfabrik wird die Konzernzentrale
Am 01.10.2017 entstand aus Lotte Confectionery die Holding. Dabei erwarb die Gesellschaft nach eigener Darstellung 39 Prozent aller ausstehenden Aktien als eigene Aktien — der Überhang von heute.
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2018
Erster Einzug eigener Aktien
Zehn Prozent wurden eingezogen, einschließlich der über Abfindungsrechte erworbenen Stücke. Für Aktionäre war das der erste Beleg, dass der Überhang schrumpfen kann.
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2024
November: Anleiheklausel gerissen, Turm als Sicherheit
Nach einem Kennzahlenbruch bei Lotte Chemical stellte die Gruppe am 27.11.2024 den Lotte World Tower als Sicherheit. Anleger erlebten binnen Tagen zweistellige Kursverluste in mehreren Konzernwerten.
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2024
November: Value-up-Plan und Führungsumbau
Am 26.11.2024 legte Lotte einen Plan zur Steigerung des Unternehmenswerts vor, zwei Tage später wurden 21 Vorstandschefs ausgetauscht. Für Aktionäre war das die erste verbindliche Rückflussquote.
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2025
Juni: Fünf Prozent eigene Aktien verkauft
Der Verkauf an eine Konzerngesellschaft brachte 147,7 Milliarden Won und diente laut Unternehmen der Finanzstruktur. Der Überhang blieb damit im Konzern, statt vom Markt zu verschwinden.
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2026
März: Fünf Prozent eingezogen, Dividende erhöht
Am 31.03.2026 wurden 5.245.461 Stammaktien eingezogen, für 2025 flossen 1.250 Won je Aktie. Der Eigenanteil sank von 27,51 auf 23,69 Prozent.
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2026
August: erstes Gewinnhalbjahr seit drei Jahren
Der Bericht vom 14.08.2026 wies für die Holding-Aktionäre plus 42,1 Milliarden Won aus. Getragen wurde die Wende vom Beteiligungsergebnis, nicht vom eigenen Betrieb.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Ehrlichkeit zuerst: Lotte kam nicht über eine Empfehlung, einen Börsenbrief oder einen Analystenkommentar auf die Rechercheliste, sondern über eine Kombination in den Fundamentaldaten, die selten zusammen auftritt. Zum Datenstand 23. August 2026 zeigten sie einen Konzern mit 15,5 Billionen Won Jahresumsatz, dessen Aktien mit rund 0,27 des ausgewiesenen Buchwerts gehandelt werden, der für das letzte Geschäftsjahr eine Dividendenrendite von über 5 Prozent bietet — und der in den beiden Jahren davor Milliardenverluste ausgewiesen hat.
Solche Kombinationen haben fast immer einen Grund. Manchmal ist es ein Missverständnis des Marktes, häufiger eine Rechnung, die im Kurs schon steht und im Buchwert noch nicht. Welche der beiden Erklärungen hier trägt, entscheiden nicht Kennzahlen, sondern die Berichte. Also haben wir sie gelesen: den Halbjahresbericht vom 14. August 2026 mit den Zahlen zum 30. Juni 2026, den geprüften Jahresbericht vom 16. März 2026 mit den Jahren 2023 bis 2025, den Dividendenbeschluss vom 9. Februar 2026 sowie die englischen Investorenunterlagen — den Fortschrittsbericht zum Value-up-Plan vom 25. März 2026 und die IR-Präsentation vom 27. Mai 2026.
Ein Hinweis in eigener Sache, weil er die Beleglage prägt: Mitschriften von Analystenkonferenzen gibt es für diese Gesellschaft nicht. Wir haben unser eigenes Transkript-Archiv geprüft — 21.116 Mitschriften, davon null für Lotte Corporation — und ebenso die einschlägigen Anbieter sowie das IR-Archiv des Unternehmens. Lotte hält sehr wohl Fragerunden mit Investoren ab; die Präsentation vom 27. Mai 2026 hat dafür eine eigene Folie. Veröffentlicht wird davon nichts. Das Kapitel über die Versprechen des Managements stützt sich deshalb auf IR-Veröffentlichungen statt auf Mitschriften — und sagt das an jeder Stelle dazu.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich trägt. Der Umsatz dieser Gruppe ist stabil und groß: 15.159,8 Milliarden Won (2023), 15.757,0 Milliarden (2024), 15.539,6 Milliarden (2025). Umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 21. August 2026 sind das rund 9,6 Milliarden Euro Jahresumsatz. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 7.715,2 Milliarden Won herein, 1,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Konzern, der jedes Jahr rund 15 Billionen Won umsetzt, verschwindet nicht über Nacht.
Auch operativ steht die Gruppe seit Jahren im Plus, wenn auch mit fallender Tendenz: Das Betriebsergebnis lag 2023 bei 493,7 Milliarden Won, 2024 bei 340,5 Milliarden und 2025 bei 239,4 Milliarden. Im ersten Halbjahr 2026 stieg es wieder um 9,3 Prozent auf 175,1 Milliarden Won. Und die Bilanz ist keine Papierhülle: 23.652,5 Milliarden Won Bilanzsumme zum 30. Juni 2026, davon 9.894,4 Milliarden Won Eigenkapital — allerdings gehören davon 3.498,9 Milliarden den Minderheitsgesellschaftern der Töchter, nicht den Aktionären der Holding.
Und dann kommt die Zahl, die alles andere einordnet. Um sie einzuordnen, lohnt der Blick zwei Jahre weiter zurück: 2021 standen einem Betriebsergebnis von 216,4 Milliarden Won 116,5 Milliarden Won Zinsaufwand gegenüber, 2022 waren es 489,8 gegen 209,4 Milliarden. Damals blieb also nach den Zinsen jedes Mal deutlich etwas übrig.
Die Kennzahl dahinter heißt Zinsdeckung und ist eine der ehrlichsten, die es gibt: Betriebsergebnis geteilt durch Zinsaufwand. Sie beantwortet die Frage, wie oft ein Unternehmen seine Zinsrechnung aus dem laufenden Geschäft bezahlen könnte. 2023 lag sie bei 1,47 — knapp anderthalbmal. 2024 bei 0,84. 2025 bei 0,61. Alles unter 1 heißt: Das operative Geschäft reicht nicht mehr, um die Zinsen zu decken. Die Differenz muss aus Beteiligungserträgen, aus dem Verkauf von Vermögen oder aus neuen Schulden kommen.
Genau dieser Mechanismus erklärt die Ergebnisse der Jahre 2024 und 2025.
Eine Feinheit, die man kennen muss, sonst verrechnet man sich: Der Konzernabschluss weist zwei Ergebniszahlen aus. Für 2025 stehen dort 595,0 Milliarden Won Fehlbetrag für den Gesamtkonzern und 647,6 Milliarden Won für den Anteil der Holding-Aktionäre. Der Unterschied entsteht, weil die Minderheitsgesellschafter der Töchter im selben Jahr 52,6 Milliarden Won Gewinn zugerechnet bekamen. Für einen Anleger, der Lotte-Corporation-Aktien hält, ist die zweite Zahl die relevante. Der Fortschrittsbericht zum Value-up-Plan vom 25. März 2026 stellt in seiner Tabelle die 595 Milliarden in den Vordergrund — wer die beiden Dokumente nebeneinanderlegt, sollte deshalb genau hinsehen, welche Zeile er vergleicht.
Für das erste Halbjahr 2026 lautet die entsprechende Zahl: plus 42,1 Milliarden Won für die Holding-Aktionäre, nach minus 204,9 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Stammaktie betrug 330 Won. Das ist eine echte Wende — nur nicht dort, wo man sie vermuten würde.
Was das Management versprochen hat — und was daraus wurde
Weil es keine Mitschriften von Analystenkonferenzen gibt, muss man das Management an dem messen, was es schriftlich veröffentlicht hat. Davon gibt es genug, und es ist ungewöhnlich gut dokumentiert: Am 26. November 2024 reichte Lotte bei der Korea Exchange einen „Corporate Value-up Plan“ ein — ein freiwilliges Programm, mit dem koreanische Unternehmen seit Februar 2024 offenlegen, wie sie ihren Börsenwert steigern wollen. Am 25. März 2026 folgte der Fortschrittsbericht. Beide liegen in englischer Fassung vor, und der zweite prüft den ersten. Das ist selten und macht die Auswertung einfach.
Versprochen wurde 2024 dreierlei: eine Aktionärsrückflussquote von mindestens 35 Prozent, die Prüfung einer Zwischendividende und die Prüfung eines Einzugs eigener Aktien. Dazu kamen Ziele für die börsennotierten Töchter. Der Halbjahresbericht 2026 formuliert die Politik selbst so:
„당사는 주주환원 정책의 일환으로 지난 24년 11월 기업가치제고계획 발표를 통해 3개년(24~26년) 중장기 주주환원정책을 발표한 바 있으며, 현금배당과 기보유 자사주 소각 검토를 통해 안정적이고 예측가능한 정책 운영으로 주주환원율 35% 이상(별도기준 당기순이익) 지향하고 있습니다.“
Übersetzung: „Als Teil unserer Aktionärsrückflusspolitik haben wir im November 2024 mit der Bekanntgabe des Unternehmenswertsteigerungsplans eine mittelfristige Rückflusspolitik über drei Jahre (2024 bis 2026) veröffentlicht. Über Bardividende und die Prüfung eines Einzugs bereits gehaltener eigener Aktien streben wir bei stabiler und vorhersehbarer Handhabung eine Aktionärsrückflussquote von mindestens 35 Prozent (bezogen auf den Jahresüberschuss des Einzelabschlusses) an.“
— LOTTE Corporation, Halbjahresbericht H1 2026, Abschnitt 6 „배당에 관한 사항“, eingereicht am 14. August 2026
Eingehalten wurde: der Aktieneinzug (5.245.461 Stammaktien am 31. März 2026), die Dividendenerhöhung von 1.200 auf 1.250 Won je Aktie und die Reform des Dividendenstichtags, bei der die Höhe der Ausschüttung nun vor dem Stichtag feststeht — für Anleger eine echte Verbesserung, weil man nicht mehr blind kaufen muss.
Nicht eingehalten wurde die Zwischendividende. Sie steht seit November 2024 auf der Liste. Der Fortschrittsbericht vom März 2026 vermerkt dazu nach anderthalb Jahren:
Bei den Töchtern fällt die Bilanz durchwachsener aus, und der Fortschrittsbericht stellt Ziel und Ist nebeneinander. Lotte Chilsung sollte bis 2028 einen Umsatz von 5,5 Billionen Won erreichen; das Ziel wurde auf 4,8 bis 5,0 Billionen Won bis 2030 gesenkt, der Ist-Wert 2025 lag bei 4,0 Billionen, die Eigenkapitalrendite bei 3,1 statt der angestrebten 10 bis 15 Prozent, der Verschuldungsgrad bei 167,7 statt unter 100 Prozent. Lotte Wellfood kam auf 29,0 Prozent Auslandsumsatzanteil statt der für 2028 gesetzten 35 Prozent und auf 3,3 Prozent Eigenkapitalrendite statt 8 bis 10 Prozent. Lotte Shopping steht bei 13,7 Billionen Won Umsatz und 547 Milliarden Won Betriebsergebnis — das Ziel für 2030 lautet 20,3 Billionen und 1,3 Billionen.
Interessanter als die Zahlen ist der Tonfall, und der lässt sich datieren. Im Juli 2024 rief die Gruppe ein „emergency management system“ aus. Die Neujahrsansprache des Vorstandsvorsitzenden Shin Dong-bin vom 2. Januar 2026 klang laut Korea Herald so: „These conditions make it imperative to pursue a turnaround focused on qualitative growth“ — die Lage mache eine Wende hin zu qualitativem Wachstum zwingend. Und die Schlussfolie der IR-Präsentation vom 27. Mai 2026 listet vier Prioritäten, von denen keine einzige nach Wachstum klingt: die Profitabilität der Kerngeschäfte wiederherstellen, die Finanzstruktur über Portfolio-Umbau verbessern, die Konzernschulden managen, indem Investitionen im Rahmen des EBITDA gehalten werden — und erst danach in neue Wachstumsfelder investieren, „based on financial stability“. Zwei Jahre zuvor hatte derselbe Konzern in seinem Value-up-Plan noch Wachstumsraten von 15,8 Prozent beim Umsatz und 37,8 Prozent beim Betriebsergebnis für die Jahre 2018 bis 2023 präsentiert.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Wende kam aus einer Beteiligung, nicht aus dem Geschäft
Das erste Halbjahr 2026 ist die gute Nachricht dieser Analyse — nur stammt sie nicht von dort, wo man sie sucht. Das Betriebsergebnis des Konzerns stieg zwar um 9,3 Prozent auf 175,1 Milliarden Won. Im zweiten Quartal allein fiel es jedoch um 9,3 Prozent auf 129,0 Milliarden Won. Was das Gesamtergebnis drehte, steht eine Zeile tiefer in der Gewinn- und Verlustrechnung.
Die Zeile heißt „관계기업투자 손익에 대한 지분“ — Anteil am Ergebnis assoziierter Unternehmen. Gemeint sind Beteiligungen, die der Konzern nicht voll konsolidiert, sondern nach der Equity-Methode bewertet: Er zeigt in seiner eigenen Gewinn- und Verlustrechnung anteilig, was diese Firmen verdient oder verloren haben. Diese Zeile lautete 2023 plus 69,7 Milliarden Won, 2024 minus 795,3 Milliarden, 2025 minus 588,6 Milliarden — und im ersten Halbjahr 2026 plus 119,3 Milliarden Won nach minus 174,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum.
Anhang 12 des Halbjahresberichts schlüsselt auf, wer dahintersteckt. Von den minus 588,6 Milliarden Won des Jahres 2025 entfielen minus 538,6 Milliarden auf Lotte Chemical — 91,5 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte dieselbe Beteiligung plus 71,0 Milliarden Won. Lotte Shopping steuerte plus 28,1 Milliarden bei nach minus 48,7 Milliarden im Vorjahr. Anders gesagt: Die Wende der Holding ist praktisch vollständig die Wende von Lotte Chemical — einer Gesellschaft, an der die Holding lediglich 25,31 Prozent hält und deren Ergebnis von den Preisen für Petrochemie in Asien abhängt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Erst fünf Prozent eigene Aktien verkauft, dann fünf Prozent eingezogen
Eigene Aktien — Aktien, die eine Gesellschaft selbst hält — sind in Korea seit Jahren ein politisches Thema, weil sie einem Großaktionär helfen können, die Kontrolle zu sichern, ohne dafür zu zahlen. Lotte hält davon außergewöhnlich viele: Zum 30. Juni 2026 waren es 23.613.015 von 99.663.776 ausgegebenen Stammaktien, also 23,69 Prozent. Sie stammen aus dem Holding-Umbau 2017/2018, bei dem die Gesellschaft nach eigener Darstellung 39 Prozent aller ausstehenden Aktien erwarb.
Die IR-Präsentation vom 27. Mai 2026 stellt die Chronologie der letzten beiden Jahre in einer Zeitleiste dar — und zwei Einträge stehen unmittelbar untereinander:
„Jun. 2025 — Sale of treasury shares to improve financial structure — Sold 5% stake to LOTTE Property & Development (KRW 147.7 billion). Mar. 2026 — Treasury share cancellation to enhance shareholder value — Canceled 5% treasury share (KRW 143.2 billion).“
Übersetzung: „Juni 2025 — Verkauf eigener Aktien zur Verbesserung der Finanzstruktur — 5-Prozent-Anteil an LOTTE Property & Development verkauft (147,7 Milliarden Won). März 2026 — Einzug eigener Aktien zur Steigerung des Aktionärswerts — 5 Prozent eigene Aktien eingezogen (143,2 Milliarden Won).“
— LOTTE Corporation, 2026 LOTTE Corporation IR DAY, Folie 24 „Dividend and Treasury Stock Status“, 27. Mai 2026
Beide Vorgänge sind für sich genommen völlig legal und wurden ordnungsgemäß gemeldet. Nebeneinander gelesen ergeben sie aber eine unbequeme Rechnung: Innerhalb von neun Monaten gingen erst fünf Prozent der eigenen Aktien an eine Konzerngesellschaft und dann fünf Prozent in den Einzug. Der Überhang, der auf dem Kurs lastet, ist danach ungefähr so groß wie vorher — er lag vor dem Einzug bei 27,51 Prozent und danach bei 23,69 Prozent, weil sich mit dem Einzug auch die Gesamtzahl der Aktien verringerte. Gemeldet wurden beide Schritte getrennt, der zweite ausdrücklich als Beitrag zum Aktionärswert.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Dividende übersteigt den Gewinn, auf den sie sich beruft
Für das Geschäftsjahr 2025 schüttete Lotte 96,0 Milliarden Won aus, 11,8 Prozent mehr als im Jahr davor — in einem Jahr, in dem der Anteil der Holding-Aktionäre am Konzernergebnis 647,6 Milliarden Won im Minus lag. Möglich ist das, weil sich die Ausschüttungspolitik ausdrücklich nicht auf den Konzernabschluss bezieht, sondern auf den Einzelabschluss der Holding — also auf die Gesellschaft allein, ohne ihre Töchter. Dort standen 2025 laut Fortschrittsbericht 75 Milliarden Won Jahresüberschuss.
„Turnaround to net income in 2025, with a dividend of KRW 1,250 per share. (Separate) Shareholder return ratio: 127%, dividend yield: 4%“
Übersetzung: „Wende zum Nettogewinn im Jahr 2025, mit einer Dividende von 1.250 Won je Aktie. Aktionärsrückflussquote (Einzelabschluss): 127 Prozent, Dividendenrendite: 4 Prozent.“
— LOTTE Corporation, 2026 Corporate Value-Up Plan, Seite 10, 25. März 2026
Zwei Dinge sind daran erklärungsbedürftig. Erstens die Quote: 127 Prozent heißt, dass mehr ausgeschüttet wurde, als die Holding im selben Jahr allein verdient hat. Für ein einzelnes Jahr ist das kein Drama — eine Holding lebt von Dividenden ihrer Töchter, und die schwanken. Als Dauerzustand wäre es Substanzverzehr. Zweitens die Rendite: Die genannten 4 Prozent sind eine koreanische Pflichtangabe, die sich auf den Durchschnittskurs der Woche vor dem Dividendenbeschluss bezieht — 31.140 Won, gemessen Anfang Februar 2026. Am Bewertungsanker dieser Analyse, dem Schlusskurs von 22.800 Won am 21. August 2026, ergeben dieselben 1.250 Won je Aktie eine Rendite von 5,5 Prozent. Der Unterschied ist keine Großzügigkeit des Unternehmens, sondern der Kursrückgang von rund 27 Prozent seit Februar.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein Viertel des Eigenkapitals ist Kapital, das den Aktionären nicht gehört
Kommen wir zurück zum Buchwert-Reflex vom Anfang. Von den 9.894,4 Milliarden Won Eigenkapital in der Konzernbilanz zum 30. Juni 2026 entfallen 3.498,9 Milliarden auf die Minderheitsgesellschafter der Töchter — Geld, das in der Bilanz steht, aber anderen Aktionären gehört. Bleiben 6.395,6 Milliarden Won für die Aktionäre der Holding. Und darin stecken laut Anhang 24 noch einmal 625.000 Millionen Won Hybridkapital: ewige Anleihen, die Lotte selbst begeben hat.
Hybridkapital ist ein Zwitter. Rechtlich zählt es zum Eigenkapital, weil es keine feste Fälligkeit hat und die Zinszahlung aufgeschoben werden darf. Wirtschaftlich ist es eine teure Dauerschuld: Anhang 25 nennt für die Emissionen der Gruppe im Gesamtnennwert von 775.000 Millionen Won Kupons zwischen 4,72 und 6,31 Prozent, Laufzeiten von 30 Jahren mit Verlängerungsoption und Zinsaufschläge von zwei Prozentpunkten nach zwei Jahren, die danach weiter steigen. Drei dieser Papiere wurden am 30. März 2026 neu begeben. Wer den Buchwert je Aktie ausrechnet, sollte dieses Geld abziehen — es steht im Rang vor den Aktionären.
Und der dritte Balken gehört zur selben Rechnung: Die Finanzschulden des Konzerns beliefen sich zum 30. Juni 2026 auf 4.040,8 Milliarden Won kurzfristig und 4.605,4 Milliarden langfristig, zusammen 8.646,2 Milliarden. Abzüglich 1.236,2 Milliarden Won Zahlungsmitteln bleiben rund 7.410 Milliarden Won Nettofinanzschulden — etwa 4,58 Milliarden Euro und damit mehr, als die Bilanz den Holding-Aktionären an Eigenkapital zuweist. Verzinst wird das nicht zu Nullzinsen: Anhang 17 nennt für kurzfristige Bankkredite Zinssätze von 3,65 bis 12,95 Prozent, für Fremdwährungskredite bis 13,74 Prozent, für die Anleihen der Holding selbst 2,09 bis 4,94 Prozent.
Wie eng das werden kann, hat der November 2024 gezeigt. Damals kursierten Gerüchte über eine Zahlungsunfähigkeit der Gruppe; Lotte Corporation, Lotte Chemical und Lotte Shopping erklärten Mitte November 2024 in Pflichtmitteilungen, es sei „groundless“, also gegenstandslos, dass die Gruppe in einer Liquiditätskrise stecke. Der Auslöser war real: Anleihen von Lotte Chemical enthielten eine Klausel, nach der das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen mindestens das Fünffache des Zinsaufwands betragen musste. Im dritten Quartal 2024 fiel dieser Wert auf das 4,3-Fache — die Klausel war verletzt, Gläubiger hätten vorzeitige Rückzahlung verlangen können. Gelöst wurde es zweistufig: Am 27. November 2024 stellte die Gruppe den Lotte World Tower als zusätzliche Sicherheit, am 19. Dezember 2024 stimmten die Gläubiger von 14 Anleiheserien über zusammen rund 2,04 Billionen Won zu, die Ergebnisklausel zu streichen. Wer wissen will, wie ein hoch verschuldeter Konzern nach einer solchen Erfahrung aussieht, findet in unserer TUI-Analyse einen europäischen Vergleichsfall.
Bewertung: was der Markt für die Holding verlangt
Bei einem Kurs von 22.800 Won (21. August 2026) und 76.050.761 umlaufenden Stammaktien plus 726.275 Vorzugsaktien ergibt sich ein Börsenwert von rund 1.751,8 Milliarden Won — etwa 1,08 Milliarden Euro oder 1,27 Milliarden US-Dollar zu den EZB-Referenzkursen vom selben Tag. Gemessen am Konzernumsatz 2025 von 15.539,6 Milliarden Won entspricht das einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 0,11. Das klingt spektakulär billig, ist aber bei einer Holding wenig aussagekräftig: Der Umsatz gehört überwiegend Töchtern, an denen andere Aktionäre mitverdienen.
Aussagekräftiger ist der Buchwert — und dort muss man sich entscheiden, welche Konvention man verwendet. Rechnet man das Eigenkapital der Holding-Aktionäre von 6.395,6 Milliarden Won durch die 76.050.761 umlaufenden Stammaktien, kommt man auf 84.096 Won je Aktie und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,27. Zieht man das Hybridkapital ab und nimmt beide Aktiengattungen in den Nenner, sind es 75.160 Won je Aktie und 0,30. Koreanische Kursportale rechnen die Marktkapitalisierung dagegen aus allen ausgegebenen Aktien inklusive der eigenen Aktien und kommen auf 2.272,3 Milliarden Won und ein Verhältnis von 0,36. Alle drei Zahlen sind rechnerisch richtig, und alle drei beschreiben dieselbe Firma. Wir halten die mittlere für die ehrlichste: rund 0,30 — eigene Aktien in Zähler und Nenner draußen, Hybridkapital abgezogen.
Was bedeutet das nun? Ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,30 sagt: Der Markt traut dem Buchwert nicht. Zwei Gründe dafür stehen in den Berichten selbst. Erstens die Zinsrechnung — wer operativ weniger verdient als er an Zinsen zahlt, baut Buchwert ab statt auf; die Gewinnrücklagen des Konzerns fielen von 5.215,2 Milliarden Won (Ende 2022) auf 3.072,2 Milliarden (Ende 2025). Zweitens die Bewertung der Beteiligungen: Lotte Chemical und Lotte Shopping stehen mit zusammen 5.312,3 Milliarden Won in den Büchern, während dieselben Anteile an der Börse am 21. August 2026 zusammen rund 1.682 Milliarden Won wert waren. Nach K-IFRS ist das kein Fehler — abgeschrieben werden muss erst, wenn der erzielbare Betrag darunter liegt. Für einen Anleger, der auf den Buchwert setzt, ist es trotzdem die wichtigste offene Frage.
Zur Einordnung des Musters: Holdinggesellschaften notieren fast überall unter der Summe ihrer Beteiligungen, weil eine zusätzliche Verwaltungsebene Kosten verursacht und der Aktionär nicht selbst entscheidet, was verkauft wird. Lotte benennt diesen Abschlag im eigenen Value-up-Plan und vergleicht sich dort mit sechs anderen koreanischen Holdings. Wie stark eine Kontrollstruktur auf die Bewertung drücken kann, zeigt auch unsere Analyse zu Biglari Holdings — dort steuert ein einzelner Mann eine Holding, die dauerhaft unter ihrem Substanzwert gehandelt wird.
Bei Lotte liegt die Kontrolle ähnlich klar: Zum 31. März 2026 hielten der Großaktionär und ihm nahestehende Parteien 45,74 Prozent der Aktien — Vorstandsvorsitzender Shin Dong-bin 13,73 Prozent, die Hotel Lotte 11,68 Prozent, Lotte Aluminum 5,33 Prozent, Lotte Property & Development 5,26 Prozent und weitere 9,74 Prozent. Dazu kommen die 23,69 Prozent eigene Aktien, die kein Stimmrecht haben, aber jederzeit an einen freundlichen Dritten gehen können. Im September 2025 schlossen sich 687 Kleinaktionäre mit zusammen 839.468 Aktien — knapp 0,8 Prozent — zu einer Allianz zusammen und forderten unter anderem, alle eigenen Aktien einzuziehen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Lotte spricht:
- Erste Ergebniswende seit drei Jahren: Im ersten Halbjahr 2026 stand ein Plus von 42,1 Milliarden Won für die Holding-Aktionäre nach minus 204,9 Milliarden im Vorjahreszeitraum; das Betriebsergebnis stieg um 9,3 Prozent auf 175,1 Milliarden Won.
- Großer, stabiler Umsatzsockel: 15.539,6 Milliarden Won im Jahr 2025 und 7.715,2 Milliarden im ersten Halbjahr 2026 (plus 1,1 Prozent), getragen vom Lebensmittelgeschäft mit 231,8 Milliarden Won Betriebsergebnis im Halbjahr.
- Deutlicher Bewertungsabstand zum Buchwert: rund 0,30 nach Abzug des Hybridkapitals, gegenüber 0,5 im Durchschnitt der sechs koreanischen Vergleichs-Holdings, die Lotte im eigenen Value-up-Plan heranzieht.
- Dividende von 1.250 Won je Aktie für 2025, ausgezahlt nach dem Stichtag 31. März 2026 — am Bewertungsanker von 22.800 Won entspricht das rund 5,5 Prozent; die Ausschüttung stieg gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent je Aktie.
- Konzernumbau mit belegten Vollzügen: Verkauf von Lotte Rental an TPG für 1.310,5 Milliarden Won (Vertrag vom 11. August 2026, Vollzug unter Behördenvorbehalt), Einzug von 5.245.461 eigenen Aktien am 31. März 2026, Reform des Dividendenstichtags.
Was dagegen spricht:
- Zinsdeckung unter 1 in zwei aufeinanderfolgenden Jahren: 0,84 (2024) und 0,61 (2025). Auch im ersten Halbjahr 2026 lagen die Finanzaufwendungen mit 251,0 Milliarden Won über dem Betriebsergebnis von 175,1 Milliarden.
- Nettofinanzschulden von rund 7.410 Milliarden Won zum 30. Juni 2026 — mehr als das Eigenkapital der Holding-Aktionäre von 6.395,6 Milliarden; Zinssätze bis 12,95 Prozent bei kurzfristigen Bankkrediten.
- Die Ergebniswende hängt an einer 25,31-Prozent-Beteiligung: 71,0 der 119,3 Milliarden Won Beteiligungsergebnis im ersten Halbjahr 2026 kamen von Lotte Chemical, dessen Ergebnis von den asiatischen Petrochemiepreisen abhängt.
- Buchwert der beiden größten Beteiligungen (5.312,3 Milliarden Won) liegt rund das Dreifache über deren Börsenwert (rund 1.682 Milliarden Won am 21. August 2026); auf Lotte Global Logistics wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits 27.811 Millionen Won abgeschrieben.
- Das Arzneimittelsegment verbrannte im ersten Halbjahr 2026 121,3 Milliarden Won Betriebsverlust bei nur 23,9 Milliarden Won Umsatz — rund 69 Prozent des gesamten Konzern-Betriebsergebnisses.
- 23,69 Prozent eigene Aktien ohne veröffentlichten Verwendungsplan, dazu ein Großaktionärskreis mit 45,74 Prozent (Stand 31. März 2026) — der Streubesitz entscheidet über wenig.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Buchwert-Reflex. Er hat in diesem Fall nicht gelogen: Der Buchwert ist real, er steht in einer geprüften Bilanz, und der Abstand zum Kurs ist groß. Nur beantwortet der Reflex die falsche Frage. Er fragt „Wie viel Substanz kaufe ich?“ — und übersieht, dass Substanz kein Zustand ist, sondern ein Saldo. Ein Konzern, der operativ 239,4 Milliarden Won verdient und 394,8 Milliarden Won Zinsen zahlt, verkleinert seine Substanz jedes Jahr. Die Gewinnrücklagen sind zwischen Ende 2022 und Ende 2025 von 5.215,2 auf 3.072,2 Milliarden Won gefallen. Das ist der eigentliche Rabatt, und der Markt hat ihn nicht erfunden, sondern abgeschrieben.
Auf der anderen Seite steht ein erstes Halbjahr 2026, das besser war als alle drei Halbjahre davor, ein Konzernumbau mit vollzogenen Verkäufen und ein Gesetzgeber, der Holdinggesellschaften ab dem 10. September 2026 zwingt, sich zu ihren eigenen Aktien zu erklären. Beides ist wahr, und beides gehört in dieselbe Analyse.
Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist die Aktie billig, weil sie unter Buchwert notiert?“, sondern: Traust du einer Holding zu, dass sie eine Zinsrechnung, die seit zwei Jahren größer ist als ihr Betriebsergebnis, aus einem Geschäft heraus schließt, das ihr nur zum Teil gehört? Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- LOTTE Corporation — Halbjahresbericht H1 2026 (반기보고서, eingereicht 14. August 2026) — jüngster Periodenbericht, Quelle der Bilanz zum 30. Juni 2026, der Segment-, Beteiligungs- und Schuldenanhänge sowie der Aktienzahl
- LOTTE Corporation — Jahresbericht Geschäftsjahr 2025 (사업보고서, eingereicht 16. März 2026) — geprüfter Konzernabschluss, Quelle der Jahreszahlen 2023 bis 2025
- LOTTE Corporation — Dividendenbeschluss vom 9. Februar 2026 (현금ㆍ현물 배당 결정) — Dividende je Aktie, Ausschüttungssumme, Stichtag
- LOTTE Corporation — 2026 Corporate Value-Up Plan (25. März 2026) und 2026 LOTTE Corporation IR DAY (27. Mai 2026) — englische Originaldokumente, Quelle der Zitate zu Dividende, eigenen Aktien und Konzernprioritäten
- LOTTE Corporation — 2024 Sustainability Report (englisch, Berichtszeitraum 2024) — Quelle der Angaben zur konzernweiten KI-Strategie
- Korea Exchange / KIND — Notierungsstatus und Liste der Sonderüberwachung, abgerufen am 23. August 2026: reguläre KOSPI-Notierung, kein Verfahren anhängig
- Europäische Zentralbank — Referenzkurse vom 21. August 2026: 1 Euro = 1.619,41 Won, 1 US-Dollar = 1.384,23 Won
- Fundamentaldaten (Kurse, Zinsaufwand der Jahre 2021 bis 2025, Bewertungskennzahlen; Datenstand 23. August 2026), abgeglichen mit den Geschäftsberichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden; bei Auslandsaktien kommt das Währungsrisiko hinzu. Alle Angaben ohne Gewähr; der Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der LOTTE Corporation.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen ₩, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 9.924.864,0 | 14.111.852,3 | 15.159.775,9 | 15.756.975,6 | 15.539.626,6 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 216.402,1 | 489.830,6 | 494.034,3 | 344.354,8 | 239.491,3 |
| Nettogewinn | 308.604,5 | 170.761,0 | -15.358,0 | -1.018.806,0 | -647.552,9 |
| Nettomarge | 3,1 % | 1,2 % | -0,1 % | -6,5 % | -4,2 % |
| Gewinn je Aktie | 4.358,50 ₩ | 2.411,70 ₩ | -216,90 ₩ | -14.388,84 ₩ | -9.052,69 ₩ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsbasis und Umsatz positiv
- Der Konzernumsatz liegt seit drei Jahren stabil bei rund 15,5 Billionen Won — 15.159,8 Milliarden (2023), 15.757,0 (2024), 15.539,6 (2025) — und wuchs im ersten Halbjahr 2026 um 1,1 Prozent auf 7.715,2 Milliarden. Das Lebensmittelgeschäft steuerte dabei 231,8 Milliarden Won Betriebsergebnis bei, 30,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
- Zinsdeckung negativ
- Das Betriebsergebnis deckte den Zinsaufwand 2024 nur zu 0,84 und 2025 nur zu 0,61 — 340,5 gegen 405,3 und 239,4 gegen 394,8 Milliarden Won. Auch im ersten Halbjahr 2026 lagen die Finanzaufwendungen mit 251,0 Milliarden Won über dem Betriebsergebnis von 175,1 Milliarden. Die Differenz muss aus Beteiligungen, Verkäufen oder neuen Schulden kommen.
- Verschuldung negativ
- Zum 30. Juni 2026 standen 8.646,2 Milliarden Won Finanzschulden 1.236,2 Milliarden Won Zahlungsmitteln gegenüber — rund 7.410 Milliarden Won netto und damit mehr als das Eigenkapital der Holding-Aktionäre von 6.395,6 Milliarden. Anhang 17 nennt Zinssätze bis 12,95 Prozent bei kurzfristigen Bankkrediten und bis 13,74 Prozent bei Fremdwährungskrediten.
- Herkunft der Ergebniswende neutral
- Der Anteil der Holding-Aktionäre am Konzernergebnis drehte im ersten Halbjahr 2026 auf plus 42,1 Milliarden Won nach minus 204,9 Milliarden. Getragen wurde das vom Beteiligungsergebnis, das von minus 174,2 auf plus 119,3 Milliarden Won sprang — davon 71,0 Milliarden aus der 25,31-Prozent-Beteiligung an Lotte Chemical. Das Betriebsergebnis des zweiten Quartals fiel im selben Zeitraum um 9,3 Prozent auf 129,0 Milliarden Won.
- Bewertung der Beteiligungen negativ
- Lotte Chemical und Lotte Shopping stehen zum 30. Juni 2026 mit zusammen 5.312,3 Milliarden Won in den Büchern; dieselben Anteile waren an der Börse am 21. August 2026 rund 1.682 Milliarden Won wert. Nach K-IFRS ist das zulässig, weil der erzielbare Betrag maßgeblich ist — auf Lotte Global Logistics wurden im ersten Halbjahr 2026 allerdings bereits 27.811 Millionen Won abgeschrieben, 2025 waren es 54.698 Millionen.
- Aktionärsstruktur und Kapitalmaßnahmen neutral
- Der Großaktionärskreis hielt zum 31. März 2026 45,74 Prozent, dazu kommen 23,69 Prozent eigene Aktien ohne veröffentlichten Verwendungsplan. Im Juni 2025 gingen 5 Prozent eigene Aktien für 147,7 Milliarden Won an eine Konzerngesellschaft, im März 2026 wurden 5 Prozent für 143,2 Milliarden Won eingezogen. Ab dem 10. September 2026 verlangt das reformierte Handelsgesetz eine Entscheidung über den Restbestand.
Die LOTTE Corporation ist eine reine Holding mit stabilem Umsatzsockel, deren Betriebsergebnis seit 2023 gefallen ist und seit 2024 den Zinsaufwand nicht mehr deckt. Zwei Verlustjahre für die Holding-Aktionäre (1.018,8 und 647,6 Milliarden Won) wurden im ersten Halbjahr 2026 von einem Plus von 42,1 Milliarden abgelöst, das fast vollständig aus dem Beteiligungsergebnis stammt. Der Bewertungsabschlag zum Buchwert ist groß, aber erklärbar: schrumpfende Gewinnrücklagen, Nettofinanzschulden über dem Eigenkapital der Holding-Aktionäre und Beteiligungsbuchwerte weit über dem Börsenwert derselben Anteile. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Die Ampel steht auf Rot, weil ein Befund die Substanz selbst betrifft und nicht den Preis: Die Zinsdeckung lag 2024 bei 0,84 und 2025 bei 0,61 — der Konzern verdiente operativ weniger, als er an Zinsen zahlte, und auch im jüngsten Halbjahr blieben die Finanzaufwendungen mit 251,0 über dem Betriebsergebnis von 175,1 Milliarden Won. Dazu passen Nettofinanzschulden von rund 7.410 Milliarden Won gegenüber 6.395,6 Milliarden Won Eigenkapital der Holding-Aktionäre und Gewinnrücklagen, die von 5.215,2 (Ende 2022) auf 3.072,2 Milliarden Won (Ende 2025) gefallen sind. Das ist ausdrücklich kein Preisurteil — dass die Aktie mit rund 0,30 des Buchwerts günstig aussieht, ändert nichts an der Rechnung, und die Ergebniswende des ersten Halbjahres 2026 ist echt, hängt aber an einer Beteiligung von 25,31 Prozent. Zwischen zwei Stufen gilt die vorsichtigere.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Datengrundlage: Halbjahresbericht H1 2026 (eingereicht 14.08.2026, jüngster Periodenbericht), geprüfter Jahresbericht 2025 (16.03.2026), Dividendenbeschluss (09.02.2026) sowie die englischen Investorenunterlagen „2026 Corporate Value-Up Plan“ (25.03.2026) und „2026 LOTTE Corporation IR DAY“ (27.05.2026). Kurs- und Bewertungsdaten Datenstand 23.08.2026.
- Kein SEC-Filer: Es gibt kein 10-K, kein 10-Q und kein 20-F. Die Pflichtberichte liegen im koreanischen Offenlegungssystem DART, bilanziert wird nach K-IFRS.
- Für 004990 existieren keine öffentlich zugänglichen Mitschriften von Analystenkonferenzen. Das Kapitel über die Versprechen des Managements stützt sich deshalb auf IR-Veröffentlichungen; das ist im Artikel ausgewiesen.
- Zwei Ergebniszahlen unterscheiden: Der Konzernabschluss 2025 nennt 595,0 Milliarden Won Fehlbetrag für den Gesamtkonzern und 647,6 Milliarden für den Anteil der Holding-Aktionäre. Für Aktionäre der Holding ist die zweite Zahl maßgeblich.
- Drei Konventionen für den Börsenwert: 1.751,8 Milliarden Won aus den umlaufenden Aktien (hier verwendet), 1.750,5 Milliarden laut Fundamentaldaten, 2.272,3 Milliarden nach koreanischer Portalrechnung inklusive eigener Aktien. Wer Kennzahlen vergleicht, muss die Basis nennen.
- Verwechslungsgefahr: Die koreanische Holding 롯데지주 (KOSPI 004990) ist nicht identisch mit der japanischen Lotte Holdings; englische Medien übersetzen beide gelegentlich als „Lotte Holdings“.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 23. August 2026. Was sich seitdem bei 004990.KO geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Die LOTTE Corporation (KOSPI: 004990) ist die reine Holdinggesellschaft der südkoreanischen Lotte-Gruppe. Sie stellt nichts selbst her, sondern hält Beteiligungen an 80 Gesellschaften, davon neun börsennotiert, und verdient an Markenlizenzen, Managementgebühren, Mieten und Dividenden. Die Gruppe umfasst Lebensmittel und Getränke, Kaufhäuser und Supermärkte, Petrochemie, Hotels, Bau, Logistik, IT und Arzneimittel-Auftragsfertigung. Eigene Belegschaft: 325 Personen (Stand 31. März 2026).
Weil der Buchwert seit Jahren schrumpft. Der Konzern verdiente 2025 operativ 239,4 Milliarden Won und zahlte 394,8 Milliarden Won Zinsen; die Gewinnrücklagen fielen von 5.215,2 Milliarden Won (Ende 2022) auf 3.072,2 Milliarden (Ende 2025). Dazu kommt, dass die beiden größten Beteiligungen mit 5.312,3 Milliarden Won in den Büchern stehen, während dieselben Anteile an der Börse am 21. August 2026 rund 1.682 Milliarden Won wert waren.
Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 1.250 Won je Stammaktie und 1.300 Won je Vorzugsaktie ausgeschüttet, Stichtag war der 31. März 2026; die Ausschüttungssumme betrug 96,0 Milliarden Won. Am Schlusskurs von 22.800 Won vom 21. August 2026 entspricht das einer Rendite von rund 5,5 Prozent. Das Unternehmen selbst nennt 4,0 Prozent — diese koreanische Pflichtangabe bezieht sich auf den höheren Durchschnittskurs von 31.140 Won aus der Woche vor dem Beschluss im Februar 2026.
Zum 31. März 2026 hielten der Großaktionär und ihm nahestehende Parteien 45,74 Prozent: Vorstandsvorsitzender Shin Dong-bin 13,73 Prozent, die Hotel Lotte 11,68 Prozent, Lotte Aluminum 5,33 Prozent, Lotte Property & Development 5,26 Prozent und weitere 9,74 Prozent. Hinzu kommen 23,69 Prozent eigene Aktien der Gesellschaft, die kein Stimmrecht tragen. Der frei handelbare Anteil ist entsprechend klein.
Im November 2024 kursierten Gerüchte über eine Zahlungsunfähigkeit der Gruppe. Auslöser war eine Anleiheklausel bei Lotte Chemical, nach der das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen mindestens das Fünffache des Zinsaufwands betragen musste; im dritten Quartal 2024 fiel der Wert auf das 4,3-Fache. Am 27. November 2024 stellte die Gruppe den Lotte World Tower als zusätzliche Sicherheit, am 19. Dezember 2024 strichen die Gläubiger von 14 Anleiheserien über rund 2,04 Billionen Won die Klausel.
Weil die LOTTE Corporation ausschließlich an der Korea Exchange notiert und kein US-Meldeunternehmen ist. Ihre Pflichtberichte erscheinen im koreanischen Offenlegungssystem DART der Finanzaufsicht FSS: ein geprüfter Jahresbericht (사업보고서), ein Halbjahresbericht (반기보고서) und zwei Quartalsberichte (분기보고서). Bilanziert wird nach K-IFRS, das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.
Die dritte Novelle wurde am 6. März 2026 verkündet; ihre Hauptvorschriften greifen ab dem 10. September 2026. Sie verlangt, eigene Aktien binnen eines Jahres nach dem Erwerb einzuziehen, mit einer sechsmonatigen Übergangsfrist für Altbestände. Wer sie behalten will, braucht einen Halteplan mit jährlicher Zustimmung der Hauptversammlung. Lotte hielt zum 30. Juni 2026 23.613.015 eigene Stammaktien — 23,69 Prozent — und hat dafür keinen veröffentlichten Plan.
Zum 30. Juni 2026 standen 4.040,8 Milliarden Won kurzfristigen und 4.605,4 Milliarden Won langfristigen Finanzschulden 1.236,2 Milliarden Won Zahlungsmittel gegenüber — rund 7.410 Milliarden Won netto, etwa 4,58 Milliarden Euro. Das ist mehr als das Eigenkapital der Holding-Aktionäre von 6.395,6 Milliarden Won. Die Zinssätze reichen laut Anhang 17 von 2,03 bis 12,95 Prozent bei Won-Krediten und bis 13,74 Prozent bei Fremdwährungskrediten.
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