FreeCast: Ein Streaming-Wegweiser mit 628.149 Dollar Umsatz — und 205 Millionen aufgelaufenem Fehlbetrag
FreeCast, Inc. (Nasdaq: CAST) will die zersplitterte Streaming-Welt in einer Programmzeitschrift bündeln. Im geprüften Geschäftsjahr bis zum 30. Juni 2025 kamen dabei 628.149 US-Dollar Umsatz herein — und 14,07 Millionen Verlust heraus. Rund die Hälfte der Erlöse stammt von zwei Firmen, deren Präsident der eigene Vorstandschef ist. Am 31. März 2026 lagen noch 119.302 US-Dollar in der Kasse, bei einem Mittelabfluss von rund 898.000 US-Dollar je Monat. Dieser Text rechnet nicht mit dem Kurs, sondern mit dem Umsatz.
Stand heute
Stand: 21. August 2026
- Schlusskurs
- 1,58 $ -15,51 %
- Marktkapitalisierung
- 0,1 Mrd. $
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 0,59 $ bis 9,80 $ · Letzter Kurs: 1,58 $ (Stand: 21. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Zahl, die Dein Kopf sich merkt, ohne dass Du ihn darum bittest: die erste, die Du siehst. Bei FreeCast war das der 10. März 2026. An diesem Tag eröffnete die Klasse-A-Aktie an der Nasdaq bei 33,00 US-Dollar und schloss bei 9,13. Seither hängt dieser Anker im Kopf jedes Anlegers, der die Aktie später entdeckt. Am 11. Juni 2026 wurden zwischenzeitlich 0,50 US-Dollar bezahlt, am 21. August 2026 lag der Schlusskurs bei 1,58 US-Dollar. Und irgendetwas in uns flüstert: 95 Prozent runter, das muss doch billig sein.
Das ist die Ankerfalle. Der erste Preis wird zum Maßstab, obwohl er über den Wert einer Firma genau nichts aussagt. Deshalb machen wir es hier andersherum: Wir schauen zuerst, was das Unternehmen einnimmt, was es ausgibt und wem es gehört — und erst ganz zum Schluss, was die Börse dafür verlangt.
Der Deal für diesen Text: keine Empfehlung, keine Kursziele. Nur die Zahlen aus den Pflichtunterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC, jede mit ihrem eigenen Stichtag. Das zentrale Spannungsfeld, das sich durch jedes Kapitel zieht, lautet: Reichweite gegen Umsatz. FreeCast erzählt von einem Vertriebsnetz mit über 52 Millionen erreichbaren Konsumenten. Das geprüfte Geschäftsjahr bis zum 30. Juni 2025 brachte 628.149 US-Dollar ein.
Was FreeCast eigentlich macht — die Programmzeitschrift für das Streaming-Zeitalter
Stell Dir die alte gedruckte Fernsehzeitschrift vor. Sie zeigte, was heute Abend läuft, auf drei Dutzend Kanälen, in einem Raster. Genau das versucht FreeCast für die Streaming-Welt: Das Produkt heißt SmartGuide und legt sich als gemeinsamer Programmführer über Netflix, Prime, kostenlose werbefinanzierte Kanäle, Mediatheken und Antennenfernsehen. Der Nutzer sieht ein Raster, klickt auf eine Sendung und landet dort, wo sie läuft.
Die Firma sitzt in Orlando, Florida, wurde 2011 gegründet und beschäftigte zum 31. März 2026 57 Festangestellte und 60 freie Mitarbeiter (Angabe im Prospekt vom 23. Juli 2026). Sie ist bei der SEC unter der Branchenkennung 7374 („Services-Computer Processing & Data Preparation“) geführt. Verdient wird das Geld heute in vier Töpfen, und der Quartalsbericht zum 31. März 2026 beschreibt sie einzeln:
- Abonnements. Früher das Kerngeschäft unter dem Namen SelectTV, seit Oktober 2022 eingestellt und auf kostenlose, werbefinanzierte Registrierung umgestellt. Im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 blieben davon 132.950 US-Dollar übrig, nach 233.453 im Jahr davor — ein Minus von 43 Prozent.
- FAST-Kanalbau. FAST steht für „Free Ad-Supported TV“, also kostenlose werbefinanzierte Sender. FreeCast baut solche Kanäle für Kunden — Schnitt, Grafik, Zusammenstellung, Rechteeinkauf — und stellt sie anschließend gegen eine monatliche Gebühr auf die eigene Plattform. Abgerechnet wird nach Aufwand plus 15 oder 30 Prozent Aufschlag.
- Werbeplattform. Ein Marktplatz, auf dem Werbekunden in Echtzeit auf Werbeplätze bieten. FreeCast tritt dabei nach eigener Darstellung als Vermittler auf und weist deshalb nur die Marge als Umsatz aus — Forderungen und Verbindlichkeiten erscheinen dagegen brutto und wirken im Verhältnis zum Umsatz groß.
- Agenturleistungen. Einzelaufträge für Marketing und Kampagnen, im Bericht namentlich am Vertrag mit „Launch That“ erklärt.
Die Wachstumsgeschichte dazu steht im Prospekt vom 23. Juli 2026 und klingt groß: ein Vertriebsnetz von 26 Partnern mit einem „potenziellen Kundenuniversum von mehr als 52 Millionen Konsumenten weltweit“, dazu eine Pipeline von 22 weiteren Partnern mit 23,1 Millionen und ein Auftragsstau von 14 Partnern mit 14,7 Millionen möglichen Nutzern. Diese Zahlen sind keine Kunden. Es sind die Kundenzahlen anderer Firmen, die FreeCast erreichen könnte, wenn die Verträge zustande kommen. Merke Dir den Unterschied als Anker: Ein erreichbarer Nutzer ist eine Landkarte, ein zahlender Kunde ist eine Rechnung.
Die Firmengeschichte für Anleger
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2022
Abschied vom bezahlten Abo
Im Oktober 2022 wurden das Bezahlabo SelectTV.com und die Streaming-Pakete eingestellt. Für Anleger hieß das: Die einzige direkt vom Endkunden bezahlte Einnahmequelle fiel weg.
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2023
Mündliche Verträge mit zwei Firmen des Vorstandschefs
Seit Juni 2023 baut FreeCast Kanäle für Test Drive Live und Celebrity Cigars. Beide gehören zum Umfeld des Vorstandschefs — seither kommt ein großer Teil des Umsatzes aus dem eigenen Haus.
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2026
Direktnotierung an der Nasdaq
Am 10.03.2026 startete der Handel unter dem Kürzel CAST. Das Unternehmen nahm dabei kein Geld ein — es wurden nur bestehende Aktien zum Handel zugelassen.
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2026
Wandlungspreis folgt dem Kurs
Am 20.04.2026 wurde die Wandelanleihe der Gesellschaft des Vorstandschefs verlängert und der feste Preis von 8 US-Dollar durch den Tageskurs ersetzt. Für Aktionäre heißt das: unbegrenzte Verwässerung nach unten.
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2026
Bezugsrechte verfallen fast vollständig
Nach der Senkung des Preises von 4,25 auf 1,33 US-Dollar wurden bis 22.05.2026 nur 250.000 von 6.743.587 Aktien bezogen. Ein deutliches Signal, wie schwer frisches Geld zu bekommen war.
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2026
Privatplatzierung über rund 23,7 Millionen Dollar
Am 02.07.2026 kam frisches Geld zu 3,00 US-Dollar je Aktie herein. Es sichert den Betrieb rechnerisch gut zwei Jahre — und die neuen Anleger lagen am 21.08.2026 deutlich darunter.
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2026
Zustimmung ohne Hauptversammlung
Am 17.07.2026 genehmigte die Stimmenmehrheit die Ausgabe von 3.243.807 weiteren Aktien per schriftlichem Beschluss. Die übrigen Aktionäre wurden am 27.07.2026 informiert, nicht gefragt.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Nicht über einen Bewertungsfilter — bei 628.149 US-Dollar Jahresumsatz schlägt kein Bewertungsscanner an. FreeCast kam über den hauseigenen Reddit-Hype-Scanner auf die Liste, der Kleinstwerte meldet, über die in Anlegerforen auffällig viel gesprochen wird. Der Lauf datiert vom 23. August 2026.
Was diese Meldung greifbar macht, sind die Handelsdaten. Am 18. August 2026 wechselten an einem einzigen Tag 154.052.800 Aktien den Besitzer. Der frei handelbare Bestand liegt laut Fundamentaldaten bei rund 21,4 Millionen Aktien (Datenstand 23. August 2026). Der gesamte Streubesitz wurde an diesem Tag also rechnerisch mehr als sieben Mal umgeschlagen. Der Kurs eröffnete bei 0,86, erreichte 2,30 und schloss bei 2,10 US-Dollar. Am 21. August 2026 stand er wieder bei 1,58.
Solche Tage haben mit dem Geschäft der Firma nichts zu tun. Sie haben damit zu tun, dass eine kleine Zahl frei handelbarer Aktien auf eine plötzliche Aufmerksamkeit trifft. Wir haben dieses Muster schon einmal in seiner Reinform beschrieben — bei der bekanntesten Meme-Aktie überhaupt, in unserer GameStop-Analyse. Der Unterschied: GameStop setzte im Quartal bis zum 2. Mai 2026 rund 835 Millionen US-Dollar um. FreeCast setzte im Quartal bis zum 31. März 2026 92.909 US-Dollar um.
Aus dem hauseigenen Aktien-Scanner kommen zum Datenstand 23. August 2026 unter anderem diese Kennzahlen: Insider halten rund 26,9 Prozent, institutionelle Anleger rund 12,5 Prozent. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil es keinen Gewinn gibt. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei rund 133. Unseren Bilanzscore, der ein Unternehmen auf einer Skala von 0 bis 9 Punkten einordnet, können wir hier gar nicht sauber bilden — dafür fehlt der Jahresbericht. Das ist keine Kleinigkeit, sondern der erste Befund.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was tatsächlich für FreeCast spricht. Die Firma existiert seit 2011, sie hat ein fertiges, laufendes Produkt, das man herunterladen und benutzen kann, sie hält eingetragene Marken auf FreeCast und SelectTV, und sie hat in einem außerordentlich schwierigen Marktumfeld den Sprung an eine regulierte US-Börse geschafft. Der Rohertrag ist positiv und wächst: 281.568 US-Dollar im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 nach 170.924 im Jahr davor. Das heißt, jeder eingenommene Dollar deckt seine direkten Kosten und lässt etwas übrig. Bei sehr vielen Kleinstfirmen ist selbst das nicht der Fall.
Und die Werbeplattform ist tatsächlich angelaufen: Der Werbeumsatz stieg im Geschäftsjahr 2025 von 1.151 auf 271.638 US-Dollar, weil ab Oktober 2024 die ersten Nachfragepartner die Plattform nutzten. Das ist der erste neue Umsatztopf seit Jahren.
Jetzt die Größenordnung, in der das stattfindet.
Die Betriebskosten des Geschäftsjahres bis 30. Juni 2025 beliefen sich auf 14.037.006 US-Dollar, davon 8.029.108 allgemeine Verwaltung und 5.482.968 Personal. Der Umsatz deckte davon 4,5 Prozent. Im Jahr davor lag der Betriebsaufwand bei 10.899.711 US-Dollar — die Kosten stiegen um 29 Prozent, der Umsatz um 24 Prozent, aber eben von 507.920 auf 628.149 US-Dollar, also um 120.229 Dollar absolut.
Und der laufende Trend zeigt nach unten. In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 sank der Umsatz auf 350.859 US-Dollar nach 413.837 im Vorjahreszeitraum, ein Minus von 15 Prozent. Im Quartal allein waren es 92.909 nach 143.885 US-Dollar, ein Minus von 35 Prozent. Der Nettoverlust der neun Monate lag bei 10.180.305 US-Dollar nach 10.869.850 — er sank also leicht, aber nur, weil weniger ausgegeben wurde, nicht weil mehr eingenommen wurde.
Ein Hinweis zur Sorgfalt, weil er in den Unterlagen selbst steht: Der Lagebericht des Quartalsberichts nennt an einer Stelle einen operativen Mittelabfluss von 8.002.935 US-Dollar für die neun Monate, die Kapitalflussrechnung desselben Berichts 8.083.926. Wir rechnen in diesem Text durchgängig mit der Kapitalflussrechnung.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Abschlussprüfer zweifelt an der Fortführung — und die Kasse war fast leer
Es gibt in Jahresabschlüssen einen Satz, der alles andere überstrahlt. Er heißt „substantial doubt about our ability to continue as a going concern“ und bedeutet: Der Prüfer sieht erhebliche Zweifel, dass das Unternehmen die nächsten zwölf Monate übersteht. Der Jahresabschluss zum 30. Juni 2025 trägt diesen Zusatz, und der Quartalsbericht zum 31. März 2026 wiederholt ihn:
„These factors, among others, raise substantial doubt about our ability to continue as a going concern for the next twelve months from the date these financial statements were issued.“
Übersetzung: „Diese Umstände begründen, neben anderen, erhebliche Zweifel an unserer Fähigkeit, das Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten ab dem Tag der Erstellung dieses Abschlusses fortzuführen.“
— FreeCast, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Lagebericht (Liquidität)
Wie knapp es war, zeigt die Kasse. Am 30. Juni 2025 lagen dort 549.249 US-Dollar, am 31. März 2026 noch 119.302. In den neun Monaten dazwischen flossen dem laufenden Geschäft 8.083.926 US-Dollar ab — rund 898.000 US-Dollar je Monat. Rechne das gegen den Kassenbestand: Am 31. März 2026 reichte das Geld noch für ungefähr vier Tage.
Fair ist der Nachtrag, und er ist wichtig: Am 2. Juli 2026 hat sich das Bild verändert. An diesem Tag schloss FreeCast eine Privatplatzierung ab und nahm rund 23,7 Millionen US-Dollar brutto ein — 4.666.667 Aktien und Vorab-Bezugsrechte auf weitere 3.243.807 Aktien, jeweils zu 3,00 US-Dollar. Das Unternehmen schreibt im Prospekt vom 23. Juli 2026 selbst, das Management halte diese Mittel für ausreichend, um den Betrieb „mindestens die nächsten zwölf Monate“ zu finanzieren. Beim Tempo der neun Monate davor reicht die Summe rechnerisch gut zwei Jahre. Der Bestätigungsvermerk trägt den Fortführungshinweis trotzdem weiter — er bezieht sich auf den Abschluss zum 30. Juni 2025.
Zwei Dinge stehen daneben im Kleingedruckten. Erstens darf das Geld laut Kaufvertrag ausdrücklich nicht zur Tilgung bestehender Schulden verwendet werden, ausgenommen laufende Lieferantenrechnungen. Zweitens haben die Anleger 3,00 US-Dollar je Aktie bezahlt; am 21. August 2026 lag der Kurs bei 1,58.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Rund die Hälfte des Umsatzes kommt von Firmen des eigenen Vorstandschefs
Diesen Befund muss man zweimal lesen. FreeCast schloss im Juni 2023 mündliche Vereinbarungen mit zwei Gesellschaften: Test Drive Live Inc. und Celebrity Cigars, Inc. Für beide baut FreeCast FAST-Kanäle und betreibt die Plattform. Präsident beider Gesellschaften ist William A. Mobley, Jr. — derselbe Mann, der FreeCast gegründet hat und führt. Bei Celebrity Cigars ist er zusätzlich alleiniger Verwaltungsrat, und sein Sohn Sean Mobley gehört dort zur Geschäftsleitung.
„For the nine months ended March 31, 2026, and 2025, more than 50.1% and 42.1%, respectively, of our total revenue was derived from two related party customers.“
Übersetzung: „In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 beziehungsweise 2025 stammten mehr als 50,1 Prozent respektive 42,1 Prozent unseres Gesamtumsatzes von zwei nahestehenden Kunden.“
— FreeCast, Inc., SEC-Prospekt 424B3 vom 23. Juli 2026, Risikofaktoren
Wer nachrechnen will: In der Gewinn- und Verlustrechnung derselben neun Monate steht die gesondert ausgewiesene Zeile „Sales – related parties“ bei 169.110 von 350.859 US-Dollar, also 48 Prozent. Der Risikohinweis nennt mehr als 50,1 Prozent. Wie man es auch schneidet: Rund die Hälfte der Erlöse kommt von Firmen, deren Präsident der eigene Vorstandschef ist. In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 entfielen auf Celebrity Cigars allein 37,8 Prozent des Umsatzes, auf die Agenturkundin Launch That 33,9 Prozent und auf Ignite 12,3 Prozent.
Warum das mehr ist als eine Formalie: Ein Umsatz ist die Bestätigung eines Fremden, dass er für Deine Leistung Geld ausgibt. Verkaufst Du an Dich selbst, fehlt genau diese Bestätigung. Der Preis dieser Leistungen ist im Prospekt als Aufschlag von 15 oder 30 Prozent auf die eigenen Kosten beschrieben — er wird also nicht am Markt gebildet. Und der Vollständigkeit halber: Zwischen dem 9. Oktober und dem 21. November 2025 überwies eine weitere Gesellschaft Mobleys, die Nextelligence, Inc., 191.023 US-Dollar im Namen von Celebrity Cigars und Test Drive Live an FreeCast, um deren offene Rechnungen vollständig zu begleichen.
Zur Fairness gehört: FreeCast legt all das offen, ausführlich und an mehreren Stellen. Und es gibt inzwischen einen Prozess dafür — der Prospekt nennt eine Pflicht zur Genehmigung sämtlicher Geschäfte mit Nahestehenden durch den Prüfungsausschuss. Bis zum 17. Juli 2026 hatte dieser Ausschuss allerdings genau ein Mitglied; erst an diesem Tag kam ein zweites hinzu. Die Nasdaq verlangt drei und räumt neu notierten Gesellschaften dafür Übergangsfristen ein.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Abonnentenzähler zählt seit 2011 mit — auch Karteileichen
Jede Plattform-Geschichte lebt von einer Nutzerzahl. FreeCast benennt in seinen Risikofaktoren selbst, was seine Zahl wert ist — und das ist eine bemerkenswert ehrliche Passage:
„As a result, our reported subscriber figures may significantly overstate the number of users who actively use the platform, generate advertising impressions, or contribute to revenue in any given period.“
Übersetzung: „Infolgedessen können unsere ausgewiesenen Abonnentenzahlen die Zahl der Nutzer, die die Plattform tatsächlich verwenden, Werbeeinblendungen erzeugen oder in einem bestimmten Zeitraum zum Umsatz beitragen, erheblich überzeichnen.“
— FreeCast, Inc., SEC-Prospekt 424B3 vom 23. Juli 2026, Risikofaktoren
Im Alltagsbild: Das ist der Newsletter-Verteiler, aus dem seit fünfzehn Jahren niemand ausgetragen wurde. Er ist beeindruckend lang und sagt über die heutige Leserschaft nichts. Genau deshalb nennen wir in dieser Analyse bewusst keine Abonnentenzahl von FreeCast: Das Unternehmen selbst schreibt, sie tauge nicht als Maß für Nutzung, Reichweite oder Umsatz. Dieselbe Lücke zwischen einer großen Erzählung und einer sehr kleinen Umsatzzeile haben wir kürzlich beim Nasdaq-Neuling Bitzero Holdings gesehen.
Die belastbare Gegenprobe ist die Umsatzzeile. 628.149 US-Dollar im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 verteilen sich auf ein „Kundenuniversum“, das der Prospekt mit über 52 Millionen Konsumenten beziffert. Selbst wenn nur ein Promille davon zahlen würde, wären das 52.000 Kunden — und jeder von ihnen zahlte dann rechnerisch 12 US-Dollar im Jahr. Die Rechnung ist bewusst grob; sie zeigt nur, wie weit die Landkarte von der Rechnung entfernt ist.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 89,75 Prozent der Stimmen liegen bei einer Person
FreeCast hat zwei Aktiengattungen. Die Klasse A, die an der Nasdaq gehandelt wird, hat eine Stimme je Aktie. Die Klasse B hat 15 Stimmen je Aktie und darf laut Prospekt ausschließlich von Gründer Mobley und von ihm beherrschten Gesellschaften gehalten werden; beim Verkauf wandelt sie sich automatisch in eine gewöhnliche Klasse-A-Aktie.
Die Rechnung dazu steht in der Aktionärsinformation vom 27. Juli 2026. Zum Stichtag 16. Juli 2026 existierten 33.655.422 Klasse-A-Aktien mit je einer Stimme und 13.925.640 Klasse-B-Aktien mit je 15 Stimmen — zusammen 242.540.022 Stimmen. Auf Mobley entfielen davon 89,75 Prozent, auf Vorstand und Verwaltungsrat zusammen 90,03 Prozent. FreeCast ist deshalb nach den Nasdaq-Regeln eine „controlled company“ und darf auf einen mehrheitlich unabhängigen Verwaltungsrat sowie auf unabhängige Vergütungs- und Nominierungsausschüsse verzichten. Es nutzt diese Ausnahme.
Wie sich das praktisch auswirkt, zeigt derselbe Vorgang. Die Nasdaq verlangt bei einer Kapitalerhöhung dieser Größe eine Zustimmung der Aktionäre. FreeCast holte sie am 17. Juli 2026 per schriftlichem Beschluss ohne Versammlung ein: 121.270.012 der 242.540.022 Stimmen genügten. Die Aktionärsinformation dazu ging am 27. Juli 2026 heraus und trägt den Satz, dass keine Stimmabgabe erbeten wird. Das ist vollkommen legal und in den USA üblich. Es bedeutet nur: Als Klasse-A-Aktionär bist Du Kapitalgeber, nicht Mitentscheider.
Dazu kommt der Hebel auf die Aktienzahl. Am 20. April 2026 verlängerte FreeCast die Wandelanleihe mit Nextelligence — der Gesellschaft des Vorstandschefs — bis zum 30. Juni 2027 und änderte den Wandlungspreis:
„This renewal note extended the maturity date to June 30, 2027, and changed the conversion price from $8 a share to the closing price of a share of Class A common stock on the Nasdaq Global Market on the most recent trading day prior to the date Nextelligence gives us written notice of conversion.“
Übersetzung: „Die verlängerte Schuldverschreibung schob die Fälligkeit auf den 30. Juni 2027 und änderte den Wandlungspreis von 8 US-Dollar je Aktie auf den Schlusskurs einer Klasse-A-Aktie am Nasdaq Global Market am letzten Handelstag vor dem Tag, an dem Nextelligence uns die Wandlung schriftlich anzeigt.“
— FreeCast, Inc., SEC-Prospekt 424B3 vom 23. Juli 2026, Geschäfte mit Nahestehenden
Verwässerung heißt im Alltagsbild: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, ohne dass Du etwas falsch gemacht hast — der Kuchen wird nur in mehr Stücke geschnitten. Bei einem festen Wandlungspreis weißt Du vorher, wie viele Stücke höchstens dazukommen. Bei einem Wandlungspreis, der dem Kurs folgt, weißt Du es nicht: Je tiefer der Kurs, desto mehr Aktien entstehen aus demselben Schuldbetrag — und den Zeitpunkt bestimmt der Gläubiger. Zum 15. Juli 2026 standen 3.679.451 US-Dollar aus. Beim Schlusskurs vom 21. August 2026 von 1,58 US-Dollar wären das rechnerisch rund 2,33 Millionen zusätzliche Aktien, gut 4,9 Prozent des Bestands von 47.581.062 Stück.
Bewertung: Was der Markt für 628.149 Dollar Jahresumsatz verlangt
Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil es keinen Gewinn gibt. Bleiben Umsatz und Substanz — und beide fallen kurz aus.
Zum Bewertungsanker 1,58 US-Dollar je Aktie (Schlusskurs 21. August 2026) und 47.581.062 Aktien beider Gattungen (Stand 15. Juli 2026) ergibt sich ein Börsenwert von rund 75 Millionen US-Dollar. Rechnet man die 3.243.807 Vorab-Bezugsrechte mit, die für 0,0001 US-Dollar je Stück ausgeübt werden können und nie verfallen, sind es rund 80 Millionen. Dem steht ein Umsatz der zurückliegenden zwölf Monate von 565.171 US-Dollar gegenüber. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt damit bei rund 133.
Diese Zahl braucht einen Vergleichsmaßstab, sonst ist sie nur groß. Ein wachsendes Softwarehaus mit hohen Margen wird an der Börse häufig mit dem Acht- bis Fünfzehnfachen seines Umsatzes bewertet; ein Medienunternehmen mit dem Ein- bis Dreifachen. FreeCast wird mit dem rund 133-Fachen bewertet — bei einem Umsatz, der in den letzten neun Monaten gefallen ist. Anders gesagt: Für jeden Dollar Jahresumsatz zahlt die Börse derzeit rund 133 Dollar.
Die Substanzseite hilft nicht weiter. Zum 31. März 2026 standen einer Bilanzsumme von 1.121.579 US-Dollar Verbindlichkeiten von 8.117.813 gegenüber; das Eigenkapital war mit minus 6.996.234 US-Dollar negativ. Der aufgelaufene Fehlbetrag betrug 205.415.506 US-Dollar bei einem eingezahlten Kapital von 198.414.784 — über die Jahre wurde also etwas mehr verbraucht, als je eingezahlt wurde. Ein großer Teil dieser Summe ist nicht in bar geflossen, sondern entstand aus Aktien und Bezugsrechten, die für Leistungen ausgegeben wurden; sie ist Vergangenheit und kein Urteil über die Zukunft. Sie beschreibt aber, wie diese Firma seit 2011 finanziert wird.
Nach der Privatplatzierung vom 2. Juli 2026 dreht sich das Eigenkapital rechnerisch ins Positive — rund 23,7 Millionen US-Dollar brutto stehen dem negativen Saldo von rund 7 Millionen gegenüber. Ein geprüfter Zwischenabschluss, der das zeigt, liegt zum Datenstand dieser Analyse noch nicht vor; er wird erstmals im Jahresbericht für das Geschäftsjahr bis zum 30. Juni 2026 stehen.
Zum Blick der Profis: Er besteht aus einer einzigen Stimme. Die Fundamentaldaten weisen zum Datenstand 23. August 2026 die Schätzungen von genau einem Analysten aus — ein Kursziel von 6,00 US-Dollar, ein erwartetes Ergebnis je Aktie von minus 0,30 US-Dollar für das Geschäftsjahr bis 30. Juni 2026 und einen erwarteten Umsatz von rund 3,01 Millionen US-Dollar für das Geschäftsjahr bis 30. Juni 2027. Ein Analysten-Rating liegt nicht vor. Das ist kein Konsens, sondern eine Meinung — und sie verlangt gegenüber den zuletzt gemeldeten 565.171 US-Dollar Zwölfmonatsumsatz mehr als eine Verfünffachung. Die Handelsspanne seit der Direktnotierung reicht von 0,50 US-Dollar (11. Juni 2026) bis 33,00 US-Dollar (10. März 2026, erster Handelstag). Wer hier einsteigt, sollte Ausschläge dieser Größenordnung als Normalfall einkalkulieren.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für FreeCast spricht:
- Die Finanzierungsfrage ist für die nächste Zeit beantwortet: Die Privatplatzierung vom 2. Juli 2026 brachte rund 23,7 Millionen US-Dollar brutto — beim Mittelabfluss der neun Monate bis 31. März 2026 (rund 898.000 US-Dollar je Monat) reicht das rechnerisch gut zwei Jahre. Das Unternehmen hält die Mittel selbst für „mindestens die nächsten zwölf Monate“ für ausreichend.
- Das Produkt existiert und ist ausgeliefert: SmartGuide läuft auf gängigen Fernsehern, Streaming-Sticks und Smartphones; FreeCast und SelectTV sind eingetragene Dienstleistungsmarken. Der Rohertrag ist positiv und stieg im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 auf 281.568 US-Dollar nach 170.924.
- Die Werbeplattform ist angelaufen: Der Werbeumsatz stieg im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 von 1.151 auf 271.638 US-Dollar, seit die ersten Nachfragepartner ab Oktober 2024 die Plattform nutzen — der erste neue Umsatztopf seit Jahren.
- Die Offenlegung ist ungewöhnlich schonungslos: Das Unternehmen benennt in den eigenen Risikofaktoren, dass seine Abonnentenzahl die aktive Nutzung „erheblich überzeichnen“ kann, und legt die Geschäfte mit den Firmen des Vorstandschefs mit Namen, Beträgen und Verwandtschaftsverhältnissen offen.
- Die Aufsichtsstruktur wird nachgezogen: Am 17. Juli 2026 wurde der Verwaltungsrat von drei auf vier Mitglieder erweitert und der Prüfungsausschuss von einem auf zwei Mitglieder; seither ist die Genehmigung sämtlicher Geschäfte mit Nahestehenden durch diesen Ausschuss vorgeschrieben.
Was dagegen spricht:
- Die Größenordnung des Geschäfts: 628.149 US-Dollar Umsatz und 14.065.948 US-Dollar Nettoverlust im geprüften Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 — der Verlust ist das 22-Fache der Einnahmen. In den neun Monaten bis 31. März 2026 fiel der Umsatz auf 350.859 US-Dollar nach 413.837, im Quartal allein um 35 Prozent.
- Der Fortführungshinweis: Der Bestätigungsvermerk zum Abschluss vom 30. Juni 2025 enthält ihn, der Quartalsbericht zum 31. März 2026 wiederholt ihn. Zu diesem Stichtag lagen 119.302 US-Dollar in der Kasse, das Eigenkapital war mit 6.996.234 US-Dollar negativ.
- Die Kundschaft ist zur Hälfte hausgemacht: Mehr als 50,1 Prozent des Umsatzes der neun Monate bis 31. März 2026 kamen laut Prospekt von zwei nahestehenden Kunden, deren Präsident der eigene Vorstandschef ist; die Vereinbarungen sind seit Juni 2023 mündlich, die Preise werden als Aufschlag von 15 oder 30 Prozent auf die eigenen Kosten gebildet.
- Kontrolle und Verwässerung in einer Hand: 89,75 Prozent der Stimmrechte liegen beim Vorstandschef (Stand 15. Juli 2026); die Wandelanleihe seiner Gesellschaft über zuletzt 3.679.451 US-Dollar wandelt seit dem 20. April 2026 zum Schlusskurs des Vortages — je tiefer der Kurs, desto mehr neue Aktien. Dazu 3.243.807 Vorab-Bezugsrechte zu 0,0001 US-Dollar, die nie verfallen.
- Die Belegbasis ist dünner als bei einer eingeführten Aktie: FreeCast hat bis heute keinen Jahresbericht (10-K) eingereicht; das erste Geschäftsjahr als börsennotierte Gesellschaft endete am 30. Juni 2026. Geprüfte Jahreszahlen stehen bislang nur in den Wertpapierprospekten.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Anker im Kopf. 33 US-Dollar am ersten Handelstag, 0,50 im Juni, 1,58 im August — das ist die Reihe, die jeder als Erstes sieht, und sie erzählt eine Geschichte von Schnäppchen. Die Reihe, die zählt, ist eine andere: 507.920 US-Dollar Umsatz, 628.149 US-Dollar Umsatz, 350.859 US-Dollar in neun Monaten. Zwischen diesen beiden Reihen liegt der ganze Unterschied zwischen einem Kurs und einem Unternehmen.
Fair bleiben heißt hier: FreeCast versucht etwas, das ein echtes Problem löst. Die Streaming-Welt ist tatsächlich zersplittert, ein gemeinsamer Wegweiser wäre tatsächlich nützlich, und die Firma hat seit 2011 nicht aufgegeben. Sie hat sogar gerade das getan, was am dringendsten nötig war: Sie hat sich Geld besorgt. Rund 23,7 Millionen US-Dollar sind für ein Unternehmen mit dieser Kostenstruktur zwei ruhige Jahre.
Nur ändert Geld nichts an der Frage, die seit fünfzehn Jahren offen ist: Warum zahlen so wenige Fremde für dieses Produkt? Über die Hälfte des Umsatzes kommt von Firmen des eigenen Vorstandschefs. Die Nutzerzahl taugt laut Unternehmen selbst nicht als Maßstab. Und die Stimmrechte liegen so eindeutig, dass Du als Klasse-A-Aktionär bei keiner Entscheidung gefragt wirst.
Die ehrliche Frage an Dich lautet deshalb nicht „Ist das billig?“, sondern: Würdest Du 75 Millionen US-Dollar für ein Unternehmen bieten, das im Jahr 628.149 Dollar einnimmt, davon die Hälfte von sich selbst — und bei dem eine einzige Person entscheidet, wann und zu welchem Kurs neue Aktien entstehen? Wenn Du diese Frage mit Ja beantwortest, hast Du eine These, und Du weißt genau, worauf Du im ersten Jahresbericht schauen musst: auf die Zeile „Sales – related parties“, auf die Zahl der ausstehenden Aktien und darauf, ob der Fortführungshinweis verschwindet. Wenn Du sie mit Nein beantwortest, hattest Du einen Anker. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- FreeCast, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 15. Mai 2026)
- FreeCast, Inc. — SEC-Prospekt 424B3 vom 23. Juli 2026 (geprüfte Jahresabschlüsse 2025/2024, Risikofaktoren, Geschäfte mit Nahestehenden)
- FreeCast, Inc. — SEC-Prospekt 424B4 vom 4. März 2026 (Direktnotierung an der Nasdaq, Stimmrechte, „controlled company“)
- FreeCast, Inc. — SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 6. Juli 2026 (Privatplatzierung über rund 23,7 Millionen US-Dollar)
- FreeCast, Inc. — SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 28. Mai 2026 (Herabsetzung des Bezugspreises von 4,25 auf 1,33 US-Dollar)
- FreeCast, Inc. — SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 22. April 2026 (verlängerte Wandelanleihe mit Nextelligence, Wandlung in 484.354 Aktien)
- FreeCast, Inc. — SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 23. Juli 2026 (Verwaltungsrat von drei auf vier Mitglieder, zweites Mitglied des Prüfungsausschusses)
- FreeCast, Inc. — SEC-Aktionärsinformation DEF 14C vom 27. Juli 2026 (schriftlicher Beschluss, Stimmrechte, Beteiligungstabelle)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von FreeCast, Inc.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kurs, Handelsvolumen, Streubesitz, Börsenwert, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Eigentümerstruktur; Datenstand 23. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Unterlagen.
- Aufhänger: hauseigener Reddit-Hype-Scanner, Lauf vom 23. August 2026; Kennzahlen aus dem hauseigenen Aktien-Scanner.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden; bei einer Gesellschaft mit Fortführungshinweis gilt das in besonderem Maß. Aussagen über die Zukunft sind naturgemäß unsicher. Alle Angaben ohne Gewähr; der Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in FreeCast-Aktien.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | – | 0,3 | 0,5 | 0,5 | – |
| Betriebsergebnis (EBIT) | – | -10,5 | -14,9 | -10,7 | – |
| Nettogewinn | -6,6 | -11,6 | -13,6 | -12,4 | – |
| Nettomarge | – | -3.826,9 % | -2.674,7 % | -2.450,4 % | – |
| Gewinn je Aktie | – | -0,28 $ | -0,33 $ | -0,30 $ | – |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Größenordnung des Geschäfts negativ
- Im geprüften Geschäftsjahr bis zum 30. Juni 2025 stand ein Umsatz von 628.149 US-Dollar einem Nettoverlust von 14.065.948 gegenüber — der Verlust war das 22-Fache der Einnahmen. In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 sank der Umsatz auf 350.859 US-Dollar nach 413.837, im Quartal allein um 35 Prozent auf 92.909.
- Substanz und Fortführung negativ
- Der Bestätigungsvermerk zum Abschluss vom 30. Juni 2025 enthält einen Fortführungshinweis, der Quartalsbericht zum 31. März 2026 wiederholt ihn. Zum selben Stichtag: 119.302 US-Dollar Kasse bei rund 898.000 US-Dollar Mittelabfluss je Monat, Eigenkapital minus 6.996.234, aufgelaufener Fehlbetrag 205.415.506.
- Finanzierung nach der Privatplatzierung neutral
- Am 2. Juli 2026 kamen rund 23,7 Millionen US-Dollar brutto zu 3,00 US-Dollar je Stück herein; das Unternehmen hält die Mittel für „mindestens die nächsten zwölf Monate“ für ausreichend, rechnerisch reichen sie beim bisherigen Tempo gut zwei Jahre. Sie dürfen vertraglich aber nicht zur Tilgung bestehender Schulden dienen, und ein geprüfter Abschluss, der die neue Lage zeigt, liegt noch nicht vor.
- Herkunft des Umsatzes negativ
- Laut Prospekt vom 23. Juli 2026 stammten mehr als 50,1 Prozent des Umsatzes der neun Monate bis zum 31. März 2026 von zwei nahestehenden Kunden, deren Präsident der eigene Vorstandschef ist (Geschäftsjahr 2025: mehr als 35 Prozent, 2024: mehr als 52 Prozent). Die Vereinbarungen sind seit Juni 2023 mündlich, die Preise werden als Aufschlag von 15 oder 30 Prozent auf die eigenen Kosten gebildet.
- Kontrolle und Verwässerung negativ
- Zum 15. Juli 2026 lagen 89,75 Prozent der Stimmrechte beim Vorstandschef, weil die Klasse-B-Aktie 15 Stimmen trägt und nur ihm zusteht. Die Wandelanleihe seiner Gesellschaft über zuletzt 3.679.451 US-Dollar wandelt seit dem 20. April 2026 zum Schlusskurs des Vortages; dazu kommen 3.243.807 Vorab-Bezugsrechte zu 0,0001 US-Dollar, die nie verfallen.
- Offenlegung und Produkt positiv
- Das Produkt existiert und wird ausgeliefert, der Rohertrag ist positiv und stieg im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 auf 281.568 US-Dollar nach 170.924; der Werbeumsatz kam von 1.151 auf 271.638. Und das Unternehmen benennt seine Schwachstellen selbst — bis hin zu dem Satz, die eigene Abonnentenzahl könne die aktive Nutzung „erheblich überzeichnen“.
FreeCast bündelt die zersplitterte Streaming-Welt in einem Programmführer und wird an der Nasdaq mit rund 75 Millionen US-Dollar bewertet. Das geprüfte Geschäftsjahr bis zum 30. Juni 2025 brachte 628.149 US-Dollar Umsatz und 14.065.948 US-Dollar Verlust; rund die Hälfte der Erlöse kommt von zwei Firmen, deren Präsident der eigene Vorstandschef ist. Der Abschlussprüfer hat einen Fortführungshinweis erteilt, am 31. März 2026 lagen 119.302 US-Dollar in der Kasse. Die Privatplatzierung vom 2. Juli 2026 über rund 23,7 Millionen US-Dollar verschafft Zeit, ändert aber weder die Umsatzgröße noch die Stimmrechtsverteilung von 89,75 Prozent in einer Hand. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Rot, weil gleich mehrere belegte Befunde die Substanz des Unternehmens selbst betreffen und nicht bloß den Preis der Aktie: ein Fortführungshinweis des Abschlussprüfers zum 30. Juni 2025, den der Quartalsbericht zum 31. März 2026 wörtlich wiederholt; ein zu diesem Stichtag negatives Eigenkapital von 6.996.234 US-Dollar; ein dauerhaft negativer operativer Mittelfluss von 8.083.926 US-Dollar in neun Monaten gegen 350.859 US-Dollar Umsatz; und eine Umsatzbasis, die zu rund der Hälfte aus Gesellschaften des eigenen Vorstandschefs besteht. Die Privatplatzierung vom 2. Juli 2026 über rund 23,7 Millionen US-Dollar ist ein echter Fortschritt und verschafft rechnerisch gut zwei Jahre Zeit — sie ist in dieser Einstufung berücksichtigt, hebt die Befunde aber nicht auf, solange ein geprüfter Abschluss ohne Fortführungshinweis fehlt. Über den richtigen Kaufzeitpunkt oder darüber, ob 75 Millionen US-Dollar Börsenwert angemessen sind, sagt diese Ampel bewusst nichts.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam FreeCast über den hauseigenen Reddit-Hype-Scanner, Lauf vom 23. August 2026; für diesen Lauf ist keine Erwähnungszahl überliefert, deshalb wird bewusst keine genannt. Belegbar ist der Handelstag selbst: Am 18. August 2026 wechselten 154.052.800 Aktien den Besitzer, bei einem Streubesitz von rund 21,4 Millionen Aktien (Datenstand 23. August 2026).
- Belegkette und ihre Grenze: FreeCast hat bis zum Datenstand dieser Analyse nie einen Jahresbericht (10-K) eingereicht — die Klasse-A-Aktie ist erst seit dem 10. März 2026 notiert, das erste Geschäftsjahr als börsennotierte Gesellschaft endete am 30. Juni 2026. Die geprüften Jahreszahlen für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 stammen deshalb aus den Wertpapierprospekten 424B4 (4. März 2026) und 424B3 (23. Juli 2026), die einen Bestätigungsvermerk mit Fortführungshinweis enthalten. Die Datenherkunft-Angabe dieser Analyse nennt deshalb bewusst 10-Q und 424B3/424B4 statt der sonst üblichen 10-K/10-Q-Form.
- Aktualitäts-Hinweis: Der jüngste Periodenbericht ist das Quartals-Zwischenergebnis (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 15. Mai 2026, und es ist vollständig ausgewertet. Alle Einreichungen ab diesem Tag wurden durchgesehen und, soweit sie das Bild verändern, in diese Analyse aufgenommen: die Pflichtmitteilung (8-K) vom 28. Mai 2026 zu den Bezugsrechten, die Pflichtmitteilung vom 6. Juli 2026 zur Privatplatzierung, die Beteiligungsmeldung (Schedule 13G) vom 8. Juli 2026, die Registrierungsunterlagen vom 16. und 20. Juli 2026, der Prospekt 424B3 vom 23. Juli 2026, die Pflichtmitteilung vom 23. Juli 2026 zum Verwaltungsrat, die Aktionärsinformation vom 27. Juli 2026 sowie Insider-Meldungen vom 29. Juli und 14. August 2026. Weder ein Form 15 noch ein Form 25 wurde eingereicht; die Nasdaq-Notierung besteht fort.
- Zahlen-Sorgfalt: Der Lagebericht des Quartalsberichts zum 31. März 2026 nennt an einer Stelle 8.002.935 US-Dollar operativen Mittelabfluss für die neun Monate, die Kapitalflussrechnung desselben Berichts 8.083.926. Diese Analyse rechnet durchgängig mit der Kapitalflussrechnung. Der Börsenwert ist gegengeprüft: 47.581.062 Aktien beider Gattungen (Prospekt 424B3 und Aktionärsinformation DEF 14C, Stand 15. Juli 2026) mal 1,58 US-Dollar (Schlusskurs 21. August 2026) ergeben 75,18 Millionen US-Dollar; die Fundamentaldaten weisen zum selben Datenstand 75,18 Millionen aus. Die dort geführte Aktienzahl von 33.655.422 umfasst nur die börsennotierte Klasse A.
- Verwechslungsgefahr: Das Kürzel CAST steht an der Nasdaq für FreeCast, Inc. Innerhalb der Produktbeschreibung des Unternehmens taucht dieselbe Buchstabenfolge zusätzlich als Abkürzung einer geplanten Tuner-Technologie („Collaborative ATSC Service Tech“) auf — sie hat mit dem Börsenkürzel nichts zu tun. Ebenfalls nicht gemeint sind gleichnamige Gesellschaften wie Castellum, Inc. (CTM).
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 23. August 2026. Was sich seitdem bei CAST geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
FreeCast, Inc. (Nasdaq: CAST) aus Orlando, Florida, betreibt mit SmartGuide einen gemeinsamen Programmführer für die Streaming-Welt: eine Art Fernsehzeitschrift, die Abodienste, kostenlose werbefinanzierte Kanäle, Mediatheken und Antennenfernsehen in einem Raster bündelt. Dazu kommen der Bau werbefinanzierter Kanäle für Kunden, ein Marktplatz für Streaming-Werbung und Agenturleistungen. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und hatte zum 31. März 2026 rund 57 Festangestellte und 60 freie Mitarbeiter.
Im geprüften Geschäftsjahr bis zum 30. Juni 2025 waren es 628.149 US-Dollar, im Jahr davor 507.920. In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 sank der Umsatz auf 350.859 US-Dollar nach 413.837 im Vorjahreszeitraum; im Quartal bis zum 31. März 2026 lag er bei 92.909 US-Dollar nach 143.885. Dem stand im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 ein Nettoverlust von 14.065.948 US-Dollar gegenüber — das 22-Fache der Einnahmen.
Weil die Gesellschaft erst seit dem 10. März 2026 an der Nasdaq notiert ist und ihr Geschäftsjahr am 30. Juni endet. Das erste Geschäftsjahr als börsennotiertes Unternehmen lief damit bis zum 30. Juni 2026; der erste Jahresbericht stand zum Stand dieser Analyse noch aus. Geprüfte Jahreszahlen für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 stehen deshalb in den Wertpapierprospekten (424B4 vom 4. März 2026 und 424B3 vom 23. Juli 2026), jeweils mit Bestätigungsvermerk und Fortführungshinweis.
Er bedeutet, dass der Abschlussprüfer erhebliche Zweifel daran hat, ob das Unternehmen die nächsten zwölf Monate wirtschaftlich übersteht. Der Abschluss zum 30. Juni 2025 trägt diesen Zusatz, der Quartalsbericht zum 31. März 2026 wiederholt ihn. Zu diesem Stichtag lagen 119.302 US-Dollar in der Kasse, das Eigenkapital war mit 6.996.234 US-Dollar negativ und der aufgelaufene Fehlbetrag betrug 205.415.506 US-Dollar. Am 2. Juli 2026 nahm FreeCast rund 23,7 Millionen US-Dollar brutto über eine Privatplatzierung ein.
Gründer und Vorstandschef William A. Mobley, Jr. hielt zum 15. Juli 2026 89,75 Prozent aller Stimmrechte, Vorstand und Verwaltungsrat zusammen 90,03 Prozent. Grund ist die zweite Aktiengattung: Klasse-B-Aktien tragen 15 Stimmen je Stück und dürfen nur Mobley und von ihm beherrschte Gesellschaften halten, Klasse-A-Aktien eine Stimme. FreeCast gilt deshalb an der Nasdaq als „controlled company“ und nutzt die damit verbundenen Ausnahmen von den Regeln zur Unabhängigkeit des Verwaltungsrats.
FreeCast baut und betreibt seit Juni 2023 Kanäle für Test Drive Live Inc. und Celebrity Cigars, Inc. — beides Gesellschaften, deren Präsident Vorstandschef Mobley ist; bei Celebrity Cigars ist er zudem alleiniger Verwaltungsrat, sein Sohn gehört dort zur Geschäftsleitung. Laut Prospekt vom 23. Juli 2026 stammten mehr als 50,1 Prozent des Umsatzes der neun Monate bis 31. März 2026 von diesen beiden Kunden. Die Vereinbarungen sind mündlich, die Preise werden als Aufschlag von 15 oder 30 Prozent auf die eigenen Kosten gebildet.
Bei einer Direktnotierung gibt das Unternehmen keine neuen Aktien aus und nimmt kein Geld ein; es werden lediglich bestehende Aktien zum Handel zugelassen. FreeCast ließ auf diesem Weg 19.782.084 Klasse-A-Aktien bestehender Aktionäre registrieren; der Handel begann am 10. März 2026. Es gab keine feste Zeichnungsspanne und keine Bank, die das Angebot garantierte. Der erste Kurs lautete 33,00 US-Dollar, der Schlusskurs desselben Tages 9,13.
Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich mangels Gewinn nicht bilden. Zum Bewertungsanker 1,58 US-Dollar (Schlusskurs 21. August 2026) und 47.581.062 Aktien beider Gattungen (Stand 15. Juli 2026) ergibt sich ein Börsenwert von rund 75 Millionen US-Dollar, mit den 3.243.807 Vorab-Bezugsrechten rund 80 Millionen. Gemessen am Umsatz der letzten zwölf Monate von 565.171 US-Dollar entspricht das einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 133. Zum Datenstand 23. August 2026 folgt genau ein Analyst der Aktie, mit einem Kursziel von 6,00 US-Dollar; ein Analysten-Rating liegt nicht vor.
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