Espey: 98 Jahre, Rekordmarge — und ein Riss im Orderbuch
Espey Mfg. & Electronics (NYSE American: ESP) baut seit 1928 in einem einzigen Werk in Saratoga Springs Stromversorgungen fürs Militär — und der Kurs lief vom 52-Wochen-Tief bei 35,5 US-Dollar zeitweise bis auf 74,5 US-Dollar. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 zeigt, warum: Die Bruttomarge kletterte auf 37,0 Prozent, die Kasse ist mit 46,7 Millionen US-Dollar prall gefüllt. Zugleich sind die Neuaufträge in neun Monaten um 60 Prozent eingebrochen, und sechs Kunden stehen für 74 Prozent des Umsatzes. Keine Anlageberatung — nur die Frage, ob du eine Aktie nach ihrem letzten Quartal beurteilst oder nach ihrem Auftragsbuch.
Stand heute
Stand: 26. August 2026
- Schlusskurs
- 62,90 $ +1,40 %
- Marktkapitalisierung
- 0,2 Mrd. $
- KGV
- 16,5
- Wachstums-Score
- 7/10
- AAQS
- 8/10
Kursentwicklung seit 26. August 2026: -0,1 %
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 36,40 $ bis 72,20 $ · Letzter Kurs: 62,90 $ (Stand: 26. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Schwäche, die sich am ehesten im Rückspiegel zeigt: Du siehst eine Kurve, die sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt hat — von 35,5 auf 74,5 US-Dollar (52-Wochen-Spanne, Datenstand 26. August 2026) —, und im Kopf meldet sich sofort die FOMO, die Angst, eine „übersehene Perle" zu verpassen. Bei einer 98 Jahre alten Firma aus einer Kleinstadt im Bundesstaat New York wirkt dieses Gefühl besonders verführerisch: kein Hype, kein Ticker-Symbol auf Reddit, einfach ein solider, unaufgeregter Industriebetrieb, der plötzlich Rekordmargen schreibt. Espey Mfg. & Electronics Corp. (NYSE American: ESP) aus Saratoga Springs sieht aus wie genau dieser Fund. Machen wir also einen Deal, bevor du der Perlen-Erzählung glaubst: Wir lesen gemeinsam den jüngsten Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und die Pflichtmitteilungen der letzten zwölf Monate — Dokumente, die unter Strafandrohung bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht werden. Dort steht die Rekordmarge tatsächlich schwarz auf weiß. Aber direkt daneben steht auch, dass die Neuaufträge in neun Monaten um 60 Prozent eingebrochen sind und dass sechs Kunden für drei Viertel des Umsatzes sorgen. Am Ende entscheidest du, was schwerer wiegt.
Was Espey eigentlich macht
Espey Mfg. & Electronics Corp. wurde 1928 im Bundesstaat New York gegründet — fast ein Jahrhundert Firmengeschichte, bevor irgendjemand von Militärelektronik als Börsenthema sprach. Sitz und einziges Werk liegen bis heute an derselben Adresse: 233 Ballston Avenue in Saratoga Springs, New York, ein einzelnes Gebäude mit mehr als 174.000 Quadratfuß (rund 16.200 Quadratmeter) Produktionsfläche — lastenfrei, ohne Hypothek. Übersetzt in ein Alltagsbild: Espey ist kein Konzern mit Werken auf drei Kontinenten, sondern eine einzige Fabrikhalle, die seit fast hundert Jahren an derselben Stelle steht. Dort baut das Unternehmen Stromversorgungen, Stromrichter, Filter, Leistungstransformatoren, Magnetkomponenten, Stromverteilungen, unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) und Antennen — Bauteile, die man nie sieht, weil sie in Radaranlagen, Kriegsschiffen und Lokomotiven stecken. Die Kunden sind fast ausschließlich das US-Militär, andere US-Behörden, Rüstungskonzerne und ausländische Regierungen; ein kleiner Teil des Geschäfts geht an die Bahnindustrie. Fast alle Aufträge laufen als Festpreisverträge — Espey kalkuliert einen Preis im Voraus und trägt danach selbst das Risiko, wenn Material oder Personal teurer werden als geplant.
Das Unternehmen beschäftigte zum 31. August 2025 152 Mitarbeitende, davon rund ein Drittel gewerkschaftlich organisiert (IBEW). An der Spitze steht seit dem 1. Januar 2022 David A. O'Neil als President & CEO — kein Quereinsteiger, sondern jemand, der das Zahlenwerk der Firma seit Jahrzehnten kennt: Er war seit dem 4. Januar 2000 CFO und Treasurer des Hauses, davor bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Sein neuer Arbeitsvertrag vom 8. September 2025 sieht ein Grundgehalt von 400.000 US-Dollar und einen Bonus von maximal 250.000 US-Dollar vor. Seit dem 15. Februar 2025 verantwortet Kaitlyn O'Neil als Principal Financial Officer die Finanzen — und ja, der Nachname ist kein Zufallstreffer, aber auch keine Familiendynastie: Das Proxy-Statement 2025 stellt ausdrücklich klar, dass die beiden nicht miteinander verwandt sind. Ein weiteres Detail für Kontinuität statt Drama: Der langjährige Abschlussprüfer Freed Maxick fusionierte 2025 mit einer größeren Kanzlei, seither prüft Withum die Bücher — ein Wechsel durch Zusammenschluss, kein Zerwürfnis (Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Oktober 2025). Und schließlich hält der Mitarbeiter-Aktienplan (ESOP) seit 1989 einen erheblichen Aktienblock; zusammen mit dem Management kommen Insider und ESOP auf rund 23 Prozent der Aktien (Datenstand 26. August 2026).
Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Espey verdient gerade so viel wie nie, sitzt auf einem Kassenberg — und hat zugleich ein Auftragsbuch, das binnen eines Jahres deutlich dünner geworden ist, konzentriert auf eine Handvoll Kunden. Volle Kasse, dünneres Buch.
Die Firmengeschichte für Anleger
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1928
Gründung in Saratoga Springs
Espey nimmt den Betrieb auf — fast ein Jahrhundert später fertigt dieselbe Firma am selben Standort noch immer Stromversorgungen fürs Militär.
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2022
David O'Neil wird CEO
Der langjährige CFO übernimmt die Führung — ein interner Wechsel statt eines Neustarts mit fremdem Kurs.
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2023
Dividende kehrt nach Aussetzung zurück
Die in der Krise gestrichene Dividende wird wieder gezahlt — ein Signal, dass das Management die Bilanz wieder als tragfähig einschätzt.
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2023
Erster Navy-Zuschuss: 7,4 Millionen US-Dollar
Die US-Marine bezahlt einen Teil von Espeys Werksmodernisierung — der Auftakt einer engen, aber auch abhängig machenden Partnerschaft.
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2025
Rekord-Neuaufträge von 86,4 Millionen US-Dollar
Zwei Großaufträge über zusammen 49,4 Millionen treiben das beste Auftragsjahr der Firmengeschichte — die Vergleichsbasis für den späteren Einbruch.
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2025
Sonderdividende von 0,75 US-Dollar
Die volle Kasse fließt teilweise an die Aktionäre zurück, zusätzlich zur regulären Quartalsdividende von 0,25 US-Dollar.
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2026
Quartalsbericht mit Prognoseanhebung
Das Management hebt mitten im Jahr die Gewinnprognose an — während die Neuaufträge im selben Bericht um 60 Prozent eingebrochen sind.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Anlass für diese Analyse ist schlicht der jüngste Pflichtbericht: Am 12. Mai 2026 reichte Espey seinen Quartalsbericht (10-Q) für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Zeitraum bis 31. März 2026) bei der US-Börsenaufsicht SEC ein — und der Bericht liefert gleich zwei Schlagzeilen. Erstens: Die Bruttomarge kletterte auf 37,0 Prozent, ein Rekordwert, deutlich über den 28,6 Prozent des Vorjahresquartals. Zweitens: Der Nettogewinn stieg im Quartal um 68 Prozent auf 2.864.662 US-Dollar. Kein Wunder, dass der Kurs in den Monaten danach von seinem 52-Wochen-Tief bei 35,5 US-Dollar bis auf 74,5 US-Dollar lief (Datenstand 26. August 2026) — mehr als eine Verdopplung. Wer nur die Schlagzeile liest, sieht eine Erfolgsgeschichte. Wer den ganzen Bericht liest, sieht auch, dass der Umsatz der ersten neun Monate mit 32,7 Millionen US-Dollar leicht unter dem Vorjahreswert von 34,4 Millionen lag — laut Managementbericht (MD&A) reine Terminverschiebung bei Meilensteinen und Stückzahlen, kein Trendbruch. Genau dieses Nebeneinander aus Rekordmarge und schrumpfendem Auftragsbuch macht Espey zu einem Fall, den man nicht am Kursverlauf, sondern am Anhang beurteilen sollte. Zwei kleinere US-Militärelektroniker, bei denen wir dieselbe Übung schon gemacht haben, sind Frequency Electronics und BK Technologies — beide zeigen, wie unterschiedlich sich „klein, profitabel, Behördenkunde" in der Praxis anfühlen kann.
Die Zahlen über die Jahre
Erst das, was wirklich beeindruckt. Espey hat sich in fünf Geschäftsjahren von einem knapp profitablen Kleinbetrieb zu einem soliden Margen-Compounder entwickelt: Der Umsatz stieg von 27,7 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2021) über 32,1 (2022), 35,6 (2023) und 38,7 (2024) auf 43,9 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025. Wichtiger als das Umsatzwachstum ist die Margen-Entwicklung: Die Bruttomarge kletterte im selben Zeitraum von 12,1 über 17,0, 22,6 und 27,5 auf 28,9 Prozent — und wie oben gezeigt, im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2026 sogar auf 37,0 Prozent. Der Nettogewinn drehte von einem kleinen Verlust (−0,2 Millionen US-Dollar, 2021) über 1,3, 3,7 (exakt 3.677.131 US-Dollar) und 5,8 Millionen (2024) auf 8,1 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 — der operative Cashflow lag da bei 21,0 Millionen.
Auf Neunmonatsbasis für das laufende Geschäftsjahr 2026 (bis 31. März 2026) steht ein Nettogewinn von 7.839.607 US-Dollar zu Buche — ein Plus von 50 Prozent gegenüber den 5.211.303 US-Dollar im Vorjahreszeitraum, bei nahezu unverändertem Umsatz (32,7 gegenüber 34,4 Millionen). Die Bilanz ist ebenso beeindruckend aufgeräumt: Kasse und kurzfristige Wertpapiere summierten sich zum 31. März 2026 auf 46,7 Millionen US-Dollar — keine einzige Bankschuld steht dagegen, eine Kreditlinie über 3 Millionen US-Dollar wurde im Februar 2026 verlängert, in den vergangenen zwei Geschäftsjahren aber nicht in Anspruch genommen. Das Eigenkapital wuchs von 50,8 Millionen (30. Juni 2025) auf 56,4 Millionen US-Dollar. Doch bevor die Euphorie überhandnimmt: Genau in diesen Zahlen — und in dem, was hinter der Marge steckt — liegen die unbequemen Wahrheiten, die jetzt folgen.
Was in den Berichten steht: die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Neuaufträge sind in neun Monaten um 60 Prozent eingebrochen
Eine Bruttomarge von 37 Prozent ist beeindruckend — aber eine Marge sagt nichts darüber, wie voll das Auftragsbuch für die nächsten Jahre ist. Und genau da wird der Quartalsbericht ungemütlich: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 gingen bei Espey neue Aufträge über 30,0 Millionen US-Dollar ein — im Vorjahreszeitraum waren es 75,1 Millionen US-Dollar. Das ist ein Rückgang von 60 Prozent. Der Auftragsbestand selbst hat sich davon bisher kaum beeindrucken lassen: Zum 31. März 2026 standen 137,1 Millionen US-Dollar in den Büchern, kaum weniger als die 138,0 Millionen ein Jahr zuvor — die alten Großaufträge laufen einfach weiter ab, während der Nachschub stockt. Zur Einordnung: Das komplette Geschäftsjahr 2025 hatte mit 86,4 Millionen US-Dollar den höchsten Neuauftragswert der letzten Jahre gebracht, darunter zwei Mehrjahresverträge über zusammen 49,4 Millionen US-Dollar — Großaufträge dieser Art fallen nicht jedes Jahr an, und ihr Fehlen erklärt einen Teil des Rückgangs. Das Management selbst rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit Neuaufträgen unter dem Niveau von 2025. Die „Pipeline" an möglichen künftigen Aufträgen — im Bericht als „outstanding opportunities" bezeichnet — liegt mit rund 152,5 Millionen US-Dollar (Stand 7. Mai 2026) ebenfalls unter dem Wert von rund 163 Millionen US-Dollar, den der Geschäftsbericht zum 31. August 2025 noch auswies.
Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir einen Auftragsschreiner vor, dessen Werkstatt bis unters Dach mit bereits bezahlten Aufträgen vollsteht — aber im Schaufenster hängt in diesem Jahr deutlich weniger neue Kundschaft aus. Er hat noch genug zu tun, aber die Frage, was in zwei Jahren in der Werkstatt liegt, ist plötzlich offen. Genau das ist Espeys Lage: Der Auftragsbestand trägt noch, aber der Nachschub stockt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Sechs Kunden sind drei Viertel des Umsatzes — und drei Kunden zwei Drittel des Bestands
Der zweite unbequeme Befund steckt im Anhang zum Geschäftsbericht 2025: Im Geschäftsjahr 2025 entfielen 74 Prozent des Umsatzes auf nur sechs inländische Kunden (mit Anteilen von 16, 13, 12, 12, 11 und 10 Prozent) — im Jahr davor waren es sogar 81 Prozent, verteilt auf fünf Kunden. Beim Auftragsbestand ist die Konzentration noch enger: Von den 137,1 Millionen US-Dollar Bestand zum 31. März 2026 stammen 92,7 Millionen US-Dollar von nur drei Kunden (Vorjahr: 97,7 von drei Kunden) — fast zwei Drittel des gesamten Auftragsbuchs. Zur Ehrlichkeit gehört: Bei den Kunden handelt es sich überwiegend um Rüstungskonzerne, das US-Verteidigungsministerium und andere US-Behörden — das ist kein Klumpenrisiko mit einem insolvenzgefährdeten Mittelständler, sondern eine Wette auf die Bonität des amerikanischen Staates. Trotzdem gilt der Alltagsvergleich: Wenn dir dein Nachbar erzählt, sein kleiner Handwerksbetrieb laufe super, aber drei Auftraggeber sorgen für zwei Drittel seiner Bücher — würdest du kurz schlucken? Fällt einer dieser drei Großkunden aus, verzögert einen Vertrag oder kürzt ein Budget, ist das kein Randproblem, sondern ein Kernrisiko.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Teil des Rekordgewinns kommt aus Zinsen und niedrigeren Steuern, nicht aus der Werkshalle
Jetzt zur Ergebnisqualität — und hier lohnt es sich, die 7,8 Millionen US-Dollar Neunmonatsgewinn nicht unbereinigt stehen zu lassen. Erstens: Espeys pralle Kasse wirft selbst Zinsen ab. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 verbuchte das Unternehmen 1.311.366 US-Dollar Zinserträge (Vorjahreszeitraum: 852.544 US-Dollar) — das sind rund 14 Prozent des Vorsteuergewinns von 9.464.773 US-Dollar. Dieses Geld verdient nicht die Werkshalle, sondern das Bankkonto. Zweitens sank die effektive Steuerquote auf 17,2 Prozent (Neunmonatsbasis, Vorjahr rund 18,3 Prozent) — vor allem wegen Steuervorteilen aus ausgeübten Aktienoptionen und Dividenden auf ESOP-Aktien; auch das hebt den ausgewiesenen Gewinn je Aktie, ohne dass mehr Stromversorgungen verkauft wurden. Zur Fairness gehört aber auch der Gegenbeleg: Das operative Ergebnis (EBIT) stieg im dritten Quartal um 70 Prozent auf 2.983.370 US-Dollar (Vorjahr 1.751.122 US-Dollar) — und im Quartalsbericht sind keine Sondererlöse ausgewiesen. Der Kern des Anstiegs ist also real, getrieben von Produktmix und Effizienz in der Fertigung, kein Einmaleffekt. Was dagegen deutlich schwächer aussieht: Der operative Cashflow der ersten neun Monate fiel von 18,2 Millionen auf nur noch 6,3 Millionen US-Dollar — weil Espey seine Vorräte kräftig aufgebaut hat (26,6 gegenüber 17,8 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2025), teils ausgeglichen durch höhere Kundenanzahlungen. Espeys Kunden zahlen inzwischen einen wachsenden Teil der Produktion im Voraus: Die sogenannten Contract Liabilities kletterten von 22,9 auf 33,5 Millionen US-Dollar, ein Plus von 46 Prozent. Merke dir das Bild: Der operative Gewinn ist zu einem großen Teil echt — aber „Zinsen plus Steuervorteil" ist kein Naturgesetz und kann sich umkehren, sobald die Kasse schrumpft oder die Zinsen fallen.
Der Navy-Zuschuss: Chance und Abhängigkeits-Signal zugleich
Ein Fund, der weder in die Kategorie „gut" noch „schlecht" passt, sondern beides zugleich ist: Espey hat in den vergangenen Jahren zwei staatliche Zuschüsse von zusammen 10,8 Millionen US-Dollar erhalten — 7,4 Millionen im Geschäftsjahr 2023, weitere 3,4 Millionen im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025. Zum Vergleich: Das sind rund 21 Prozent des Eigenkapitals zum 30. Juni 2025 und etwa 6 Prozent des heutigen Börsenwerts — für eine Firma dieser Größe eine erhebliche Summe. Der Quartalsbericht erklärt den Zweck:
„The awards received by the Company are in support of facility and capital equipment upgrades for testing and qualification for the United States Navy."
Übersetzung: „Die von dem Unternehmen erhaltenen Zuschüsse dienen der Modernisierung von Werksanlagen und Investitionsgütern für Tests und die Qualifikation für die US-Marine."
— Espey Mfg. & Electronics Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Abschnitt Liquidity and Capital Resources
Die Zuschüsse sind Teil eines größeren Marine-Programms:
„These funding awards are part of the Navy's investment to improve and sustain the Surface Combatant Industrial Base."
Übersetzung: „Diese Fördermittel sind Teil der Investition der Marine, um die industrielle Basis für Überwasserkampfschiffe zu verbessern und zu erhalten."
— Espey Mfg. & Electronics Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Abschnitt Liquidity and Capital Resources
Praktisch bedeutet das: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 investierte Espey 2.800.998 US-Dollar in Anlagen, wovon 2.029.608 US-Dollar aus dem 3,4-Millionen-Zuschuss erstattet wurden — der Eigenanteil lag bei rund 855.000 US-Dollar. Die Chance: Die US-Marine bezahlt Espey einen Teil der eigenen Fabrikmodernisierung, was Kapital spart und die Beziehung zum wichtigsten Kundenkreis vertieft. Das Abhängigkeits-Signal: Wenn ein Zulieferer so eng in ein staatliches Investitionsprogramm eingebettet ist, dass die Marine sogar seine Testtechnik mitfinanziert, ist er kein austauschbarer Lieferant mehr — aber er ist eben auch nicht mehr unabhängig von den Haushaltsentscheidungen genau dieses einen Kunden.
Am Rande, ohne es zu dramatisieren: Im Juni 2026 verkauften mehrere Führungskräfte und Direktoren Aktien im Zuge von Optionsausübungen — CEO O'Neil etwa 2.500 Stück zu 67,71 US-Dollar am 22. Juni 2026, weitere kleinere Verkäufe von CHRO Pickering, Direktor Corr und Direktor Helmetag im Mai und Juni 2026. Zusammen sind das deutlich unter 1 Prozent der ausstehenden Aktien — ein übliches Muster nach einer Kursverdopplung, kein Alarmsignal, aber auch keine Nachkäufe.
Was das Management verspricht — und was davon eintrifft
Bei den meisten Firmen dieser Größenordnung würde man jetzt in die Mitschrift der letzten Telefonkonferenz schauen. Bei Espey gibt es keine: Das Unternehmen hält keine Earnings Calls ab — keine Telefonkonferenzen, keine Analystenfragen, nicht einmal eine separate Ergebnismitteilung (8-K) zu den Quartalszahlen. Die einzige Prognosequelle ist der schriftliche „Business Outlook"-Abschnitt im Geschäfts- und Quartalsbericht. Das macht diesen Abschnitt umso wichtiger — und einen Vergleich zwischen Versprechen und Ergebnis umso aufschlussreicher.
Im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht am 27. September 2024) schrieb das Management:
„Management expects revenues in fiscal year 2025 to be higher than revenues recognized during fiscal year 2024 and expects net income per share to exceed fiscal 2023 reported results, however net income per share is anticipated to fall below fiscal 2024 results."
Übersetzung: „Das Management erwartet, dass die Umsätze im Geschäftsjahr 2025 höher ausfallen werden als die im Geschäftsjahr 2024 erzielten Umsätze, und erwartet, dass der Gewinn je Aktie die für 2023 ausgewiesenen Ergebnisse übertrifft — der Gewinn je Aktie werde jedoch voraussichtlich unter den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2024 liegen."
— Espey Mfg. & Electronics Corp., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2024, Business Outlook
Das Ergebnis: Der Umsatz stieg tatsächlich auf 43,9 Millionen US-Dollar — deutlich über die 38,7 Millionen des Geschäftsjahres 2024, die es laut Prognose zu übertreffen galt. Aber beim Gewinn hat das Management sich selbst weit unterschätzt: Statt unter dem Vorjahr (5,8 Millionen US-Dollar) zu bleiben, kletterte der Nettogewinn 2025 auf 8,1 Millionen US-Dollar — deutlich über dem, was die eigene Prognose in Aussicht gestellt hatte. Dieselbe Vorsicht zeigte sich bei den Neuaufträgen: Der Bericht für 2024 stellte lediglich Neuaufträge über dem damaligen Niveau von 52,4 Millionen US-Dollar in Aussicht — tatsächlich kamen 2025 Neuaufträge von 86,4 Millionen US-Dollar herein — der höchste Wert der letzten Jahre. Ein klares Muster: tiefstapeln und übertreffen.
Ein Jahr später, im Geschäftsbericht für 2025 (eingereicht am 16. September 2025), wiederholte sich dieselbe vorsichtige Tonlage für das laufende Geschäftsjahr 2026:
„Management expects revenues in fiscal year 2026 to be higher than revenues recognized during fiscal year 2025. Net income per share is anticipated to fall below fiscal 2025 results..."
Übersetzung: „Das Management erwartet, dass die Umsätze im Geschäftsjahr 2026 höher ausfallen werden als die im Geschäftsjahr 2025 erzielten Umsätze. Der Gewinn je Aktie werde voraussichtlich unter den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2025 liegen …"
— Espey Mfg. & Electronics Corp., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Business Outlook
Acht Monate später, im Quartalsbericht vom 12. Mai 2026, änderte sich der Ton mitten im Jahr — eine Prognoseanhebung, keine Wiederholung der Vorsicht:
„Further, management believes that net income for fiscal year 2026 will exceed net income from fiscal year 2025."
Übersetzung: „Darüber hinaus geht das Management davon aus, dass der Nettogewinn für das Geschäftsjahr 2026 den Nettogewinn des Geschäftsjahres 2025 übertreffen wird."
— Espey Mfg. & Electronics Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Business Outlook
Zahlenmäßig ergibt das Sinn: Der Neunmonatsgewinn von 7,8 Millionen US-Dollar lag zum Zeitpunkt dieser Anhebung schon fast auf dem Niveau des kompletten Geschäftsjahres 2025 (8,1 Millionen). Der Bericht erwähnt zudem, dass die Regierungs-Shutdowns in den USA „einigen Einfluss auf kurzfristige Liefertermine" hatten, aber kein wesentlicher Effekt auf das Gesamtjahr erwartet wird. Was hier fehlt und evergreen bleiben muss: Der Geschäftsbericht (10-K) für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr war zum Zeitpunkt dieser Analyse noch nicht eingereicht — er wird für September 2026 erwartet (in den Vorjahren kam er am 16. beziehungsweise 27. September). Ob die angehobene Prognose eintrifft, weiß zum jetzigen Zeitpunkt niemand — auch nicht diese Analyse.
Bewertung: Kasse, Zinsen und ein KGV mit zwei Gesichtern
Wie teuer ist Espey? Bei einem Schlusskurs von 62,94 US-Dollar (26. August 2026) und 2.995.922 ausstehenden Aktien (Deckblatt des Quartalsberichts, Stand 6. Mai 2026) ergibt sich ein Börsenwert von rund 188 Millionen US-Dollar. Davon sind 46,7 Millionen US-Dollar reine Netto-Liquidität — Kasse plus kurzfristige Wertpapiere ohne jede Bankschuld —, also fast ein Viertel des gesamten Börsenwerts. Wer die Aktie kauft, kauft damit rechnerisch zu einem guten Teil auch Bargeld. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der letzten zwölf Monate liegt bei rund 16, die Dividendenrendite bei etwa 2,8 Prozent (beide Datenstand 26. August 2026) — auf den ersten Blick eine moderate, fast unaufgeregte Bewertung für eine Firma mit Rekordmarge.
Aber genau hier lohnt sich der Blick, den wir in Wahrheit Nr. 3 schon vorbereitet haben: Ein Teil des Neunmonatsgewinns von 2,74 US-Dollar je verwässerter Aktie stammt aus Zinserträgen (rund 14 Prozent des Vorsteuergewinns) und aus einer gesunkenen Steuerquote (17,2 statt rund 18,3 Prozent) — beides Effekte der prallen Kasse und der Kapitalstruktur, nicht der Fabrikhalle. Rechnet man diese beiden Effekte grob heraus, bleibt ein spürbar kleinerer, aber dafür rein operativer Gewinn übrig — und das KGV von rund 16 auf den gesamten Gewinn ist damit ein KGV, das teils auf einem „geliehenen" Fundament aus Zinsen und Steuervorteilen steht. Das macht Espey nicht automatisch teuer: Für eine schuldenfreie Firma mit steigender operativer Marge und viel Kasse ist ein KGV von 16 kein Alarmsignal. Es bedeutet nur, dass die Bewertung zwei Geschichten gleichzeitig erzählt — die einer soliden, wachsenden Fertigung und die eines gut gefüllten Bankkontos, das selbst Rendite bringt. Für die Einordnung im Vergleich: Bei Frequency Electronics und BK Technologies spielt dieselbe Frage — wie viel vom Gewinn kommt aus dem eigentlichen Geschäft, wie viel aus Nebeneffekten — eine ganz ähnliche Rolle.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Espey spricht:
- Rekord-Bruttomarge von 37,0 Prozent im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, getragen von einem fünfjährigen Aufwärtstrend von 12,1 (2021) auf 28,9 Prozent (2025) im Gesamtjahr.
- Blitzsaubere Bilanz: 46,7 Millionen US-Dollar Netto-Liquidität ohne Bankschulden, ungenutzte Kreditlinie, Eigenkapital von 56,4 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026.
- Verankerung in einem staatlichen Investitionsprogramm: 10,8 Millionen US-Dollar Navy-Zuschüsse für Werk und Prüftechnik seit dem Geschäftsjahr 2023, Teil des Programms „Surface Combatant Industrial Base".
- Kunden zahlen zunehmend im Voraus: Contract Liabilities stiegen um 46 Prozent auf 33,5 Millionen US-Dollar — ein Zeichen, dass Kunden auf die Lieferfähigkeit setzen.
- Wiederhergestellte Dividendenkontinuität seit Februar 2023, plus Sonderdividende von 0,75 US-Dollar im September 2025.
Was dagegen spricht:
- Neuaufträge der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 brachen um 60 Prozent ein (30,0 gegenüber 75,1 Millionen US-Dollar); die Pipeline sank von rund 163 auf rund 152,5 Millionen US-Dollar.
- Hohe Kundenkonzentration: sechs Kunden stehen für 74 Prozent des Umsatzes 2025, drei Kunden für 92,7 Millionen der 137,1 Millionen US-Dollar Auftragsbestand.
- Ein Teil des Rekordgewinns kommt aus Zinserträgen (rund 14 Prozent des Vorsteuergewinns) und einer gesunkenen Steuerquote, nicht allein aus der Fertigung.
- Operativer Cashflow der ersten neun Monate fiel von 18,2 auf 6,3 Millionen US-Dollar, weil die Vorräte kräftig aufgebaut wurden.
- Der Geschäftsbericht für das am 30. Juni 2026 beendete Jahr steht noch aus — die angehobene Prognose ist zum jetzigen Zeitpunkt unbestätigt.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur FOMO vom Anfang. Die Kursverdopplung von 35,5 auf 74,5 US-Dollar ist real, die Rekordmarge von 37,0 Prozent ist real, die 46,7 Millionen US-Dollar Kasse sind real. Wer Espey als „übersehene Perle" verkaufen will, hat dafür ehrliches Material. Aber dieselben Berichte, die die Perle zeigen, zeigen auch den Riss: Neuaufträge, die in neun Monaten um 60 Prozent eingebrochen sind, ein Auftragsbuch, das zu zwei Dritteln an drei Kunden hängt, und ein Rekordgewinn, der zu einem Teil aus Zinsen und Steuervorteilen statt aus der Werkshalle stammt. Espey hält keine Telefonkonferenz ab, auf der ein Analyst nachhaken könnte, warum die Neuaufträge so stark gefallen sind — die einzige Antwort, die es gibt, steht nüchtern im nächsten Pflichtbericht. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Verpasse ich die Rallye?", sondern: Vertraust du einer 98 Jahre alten Firma zu, dass sie ihr Auftragsbuch wieder füllt, bevor die alten Aufträge abgearbeitet sind? Die Antwort auf diese Frage kennst nur du — und der nächste Geschäftsbericht, der für September 2026 erwartet wird. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen und Transparenz
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Espey Mfg. & Electronics Corp. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 12. Mai 2026)
- Espey Mfg. & Electronics Corp. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 16. September 2025)
- Espey Mfg. & Electronics Corp. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht 27. September 2024)
- Espey Mfg. & Electronics Corp. — SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 8. September 2025 (Sonderdividende)
- Espey Mfg. & Electronics Corp. — SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 9. September 2025 (Arbeitsvertrag des CEO)
- Espey Mfg. & Electronics Corp. — SEC-Proxy-Statement DEF 14A, eingereicht 28. Oktober 2025
- Espey Mfg. & Electronics Corp. — Insider-Meldung (Form 4) David O'Neil, 23. Juni 2026
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Espey Mfg. & Electronics Corp.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kurs, Bewertung, Kennzahlen; Datenstand 26. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Espey-Aktien.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 27,7 | 32,1 | 35,6 | 38,7 | 44,0 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | -0,4 | 1,5 | 4,3 | 6,5 | 8,1 |
| Nettogewinn | -0,2 | 1,3 | 3,7 | 5,8 | 8,1 |
| Nettomarge | -0,7 % | 3,9 % | 10,3 % | 15,0 % | 18,5 % |
| Gewinn je Aktie | -0,08 $ | 0,52 $ | 1,49 $ | 2,29 $ | 3,02 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Bilanz & Kasse positiv
- Zum 31.03.2026 stehen 46,7 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapiere ohne eine einzige Bankschuld in den Büchern, dazu eine seit Februar 2026 verlängerte, aber ungenutzte Kreditlinie über 3 Millionen US-Dollar.
- Margen-Entwicklung positiv
- Die Bruttomarge stieg von 12,1 Prozent (Geschäftsjahr 2021) auf 28,9 Prozent (2025) und erreichte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 mit 37,0 Prozent einen Rekordwert.
- Auftragslage negativ
- Die Neuaufträge der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 brachen um 60 Prozent ein (30,0 gegenüber 75,1 Millionen US-Dollar); die Pipeline sank von rund 163 auf rund 152,5 Millionen.
- Kundenkonzentration negativ
- Sechs Kunden stehen für 74 Prozent des Umsatzes 2025, drei Kunden für 92,7 der 137,1 Millionen US-Dollar Auftragsbestand zum 31.03.2026 — überwiegend Behörden und Rüstungskonzerne.
- Ergebnisqualität neutral
- Rund 14 Prozent des Neunmonats-Vorsteuergewinns stammen aus Zinserträgen, dazu eine gesunkene Steuerquote (17,2 statt rund 18,3 Prozent) — der operative Gewinnanstieg (EBIT +70 Prozent im dritten Quartal) ist aber real.
- Management-Kommunikation neutral
- Espey hält keine Telefonkonferenzen ab; die einzige Prognosequelle ist der schriftliche Business Outlook, der in der Vergangenheit meist zu vorsichtig war und im Mai 2026 mitten im Jahr angehoben wurde.
Espey Mfg. & Electronics ist eine 98 Jahre alte, schuldenfreie Fertigungsfirma mit einer Bruttomarge, die von 12,1 auf 37,0 Prozent gestiegen ist, und 46,7 Millionen US-Dollar Netto-Kasse zum 31.03.2026. Zugleich sind die Neuaufträge in neun Monaten um 60 Prozent eingebrochen, und sechs Kunden stehen für drei Viertel des Umsatzes. Der Geschäftsbericht für das am 30.06.2026 beendete Jahr steht noch aus. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb, weil das Unternehmen solide ist — profitabel, schuldenfrei, mit einer seit fünf Jahren steigenden Bruttomarge und 46,7 Millionen US-Dollar Kasse zum 31.03.2026 —, aber eine wesentliche operative Frage offen bleibt: Die Neuaufträge sind in neun Monaten um 60 Prozent eingebrochen, und sechs Kunden stehen für 74 Prozent des Umsatzes, drei Kunden für zwei Drittel des Auftragsbestands. Das ist kein Substanzrisiko — die Kunden sind überwiegend das US-Militär und andere Behörden, kein insolvenzgefährdeter Mittelstand —, aber eine Konzentration und eine Auftragsflaute, die grün ausschließen. Dass ein Teil des Rekordgewinns aus Zinsen und einer niedrigeren Steuerquote stammt, ist ebenfalls kein Bilanzbruch, gehört aber zur ehrlichen Einordnung der Zahlen.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Anlass der Analyse: der Quartalsbericht (10-Q) zum 31.03.2026, eingereicht am 12.05.2026.
- Datenstand: Jahres- und Quartalszahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 16.09.2025) sowie dem Quartalsbericht zum 31.03.2026. Kurs- und Bewertungsangaben haben den Datenstand 26. August 2026.
- Der Geschäftsbericht (10-K) für das am 30.06.2026 beendete Geschäftsjahr 2026 war zum Zeitpunkt dieser Analyse noch nicht eingereicht (erwartet September 2026, Vorjahre: 16./27. September).
- Verwechslungsgefahr: Kaitlyn O'Neil (Principal Financial Officer seit 15.02.2025) trägt denselben Nachnamen wie CEO David O'Neil, ist laut Proxy-Statement 2025 aber nicht mit ihm verwandt.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 27. August 2026. Was sich seitdem bei ESP geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Espey Mfg. & Electronics Corp. (NYSE American: ESP) fertigt seit 1928 in einem einzigen Werk in Saratoga Springs, New York, Stromversorgungen, Stromrichter, Filter, Leistungstransformatoren und Antennen — überwiegend für das US-Militär, andere US-Behörden und die Bahnindustrie. Das Unternehmen beschäftigte zum 31. August 2025 152 Mitarbeitende und arbeitet fast ausschließlich mit Festpreisverträgen.
Der Kurs lief von seinem 52-Wochen-Tief bei 35,5 US-Dollar bis auf 74,5 US-Dollar (Datenstand 26. August 2026), getrieben vom Quartalsbericht zum 31. März 2026: Die Bruttomarge erreichte mit 37,0 Prozent einen Rekordwert, der Nettogewinn stieg im Quartal um 68 Prozent. Der Umsatz der ersten neun Monate lag dabei leicht unter dem Vorjahr.
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 gingen neue Aufträge über 30,0 Millionen US-Dollar ein, gegenüber 75,1 Millionen im Vorjahreszeitraum — ein Rückgang von 60 Prozent. Das komplette Geschäftsjahr 2025 hatte mit 86,4 Millionen US-Dollar noch den höchsten Wert der letzten Jahre gebracht, unter anderem dank zweier Großaufträge.
Im Geschäftsjahr 2025 entfielen 74 Prozent des Umsatzes auf sechs inländische Kunden. Beim Auftragsbestand ist die Konzentration noch höher: Von 137,1 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026 stammen 92,7 Millionen von nur drei Kunden — überwiegend Rüstungskonzerne, das US-Verteidigungsministerium und andere US-Behörden.
Nein. Espey veröffentlicht keine Earnings Calls und keine separate Ergebnismitteilung zu den Quartalszahlen. Die einzige Prognosequelle ist der schriftliche „Business Outlook" im Geschäfts- und Quartalsbericht — das Management hat dort in der Vergangenheit meist vorsichtiger prognostiziert, als am Ende eintraf.
Die US-Marine zahlte Espey zwischen dem Geschäftsjahr 2023 und dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025 zwei Zuschüsse von zusammen 10,8 Millionen US-Dollar für die Modernisierung von Werk und Prüftechnik — Teil des Programms „Surface Combatant Industrial Base". Das stärkt die Beziehung zum wichtigsten Kundenkreis, vertieft aber auch die Abhängigkeit davon.
Ja. Nach der Aussetzung ab März 2021 zahlt Espey seit Februar 2023 wieder eine Dividende — zunächst in kleineren Schritten (insgesamt 0,20 US-Dollar im Geschäftsjahr 2023, 0,675 im Geschäftsjahr 2024), seit dem Geschäftsjahr 2025 als reguläre Quartalsdividende von 0,25 US-Dollar. Im September 2025 kam eine Sonderdividende von 0,75 US-Dollar hinzu; für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 ergibt das zusammen 1,50 US-Dollar je Aktie.
Das Geschäftsjahr 2026 endete am 30. Juni 2026; der zugehörige Geschäftsbericht (10-K) war bei Fertigstellung dieser Analyse (Stand: Ende August 2026) noch nicht eingereicht. In den beiden Vorjahren kam er am 16. beziehungsweise 27. September — ein ähnlicher Termin ist auch 2026 zu erwarten.
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